Webtool: Ökobilanz von Autos im Vergleich - wissenschaft.de
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Webtool: Ökobilanz von Autos im Vergleich

Carculator
Die Startseite des "Carculator". (Bild: Paul Scherrer Institut)

Wenn es um den Kauf eines neuen Autos geht, spielen heute nicht mehr nur Aussehen und Komfort eine Rolle – auch die Ökobilanz und der Schadstoff-Ausstoß ist ein zunehmend wichtiges Entscheidungskriterium. Deshalb haben Wissenschaftler nun ein Webtool entwickelt, mit dem man interaktiv die Ökobilanz verschiedener Fahrzeugtypen vergleichen kann – vom Elektroauto über den Gasantrieb bis zum Benziner.

Welche Antriebsarten sind bei Autos am umweltfreundlichsten? Und welcher Fahrzeugtyp verursacht am wenigsten klimaschädliche Abgase und verbraucht am wenigsten Energie? Diese Fragen sind nur auf den ersten Blick einfach zu beantworten. Denn neben den Parametern während der Nutzungszeit des Fahrzeugs sind für die Ökobilanz auch der Energie- und Rohstoffverbrauch bei der Herstellung des Fahrzeugs und seiner Antriebsmittel wichtig. Auch mögliche Umweltschäden durch giftige Abwässer und Abfälle bei der Produktion gehen in die Bilanz ein. Und nicht zuletzt spielt bei Elektroautos und Hybriden eine wichtige Rolle, wie der Strom produziert wird, der aus der Ladestation kommt.

Vergleichende Ökobilanz auf Klick

Eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe beim Autokauf geben nun Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) im schweizerischen Villigen. Sie haben ein Webtool namens „Carculator“ entwickelt, mit dem sich die ökologische Bilanz von Personenwagen detailliert vergleichen lässt. Das Programm ermittelt die Ökobilanz von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Antriebsarten und stellt sie in Vergleichsgrafiken dar. Wer den „Carculator“ nutzt, kann neben Antriebsart und Brennstoff aber auch die Größenkateogorie – von Kleinstwagen bis Van – der zu vergleichenden Fahrzeuge eingeben. Man wählt zudem das Land aus, in welchem die Fahrzeuge genutzt werden – denn dadurch unterscheidet sich der Strommix für Batteriefahrzeuge – und in welchem Jahr zwischen 2000 und 2050 die Autos zugelassen werden.

„Unser Tool bietet eine sehr breite Palette an Antriebsarten“, sagt Romain Sacchi, vom PSI. „Und es kann zudem zwischen sehr vielen Treibstoffen unterscheiden: Wir haben neben den gängigen auch Bio- und synthetische Treibstoffe verschiedenen Ursprungs integriert und zukünftige Technologien wie CO2-Abscheidung und -Speicherung bei der Wasserstoffproduktion bedacht.“ Insgesamt können bis zu 233 Parameter berücksichtigt werden, darunter sieben Größenkategorien, neun Antriebsarten und 88 verschiedene Strommixe zum Laden der Batterien bei Elektroautos und Hybriden. Nutzer können zudem selbst wählen, wie detailliert sie die Ausgangsparameter eingeben wollen.

Open Source sorgt für Transparenz

Als Ergebnis zeigt der „Carculator“ am Ende der Berechnung Vergleichswerte für den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge, von der Herstellung des Autos und seiner Komponenten bis zu den umweltrelevanten Emissionen beim Fahren. „Der Carculator ermöglicht so eine wirtschaftliche und umweltbezogene Evaluation verschiedener Typen von Personenwagen für mehrere Fahrzyklen und Energieversorgungsszenarien“, heißt es auf der Website. Alle berechneten Werte werden für die ausgewählten Fahrzeuge parallel als Grafiken ausgegeben, sodass sie sich direkt vergleichen lassen.

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Die Wissenschaftler wollen mit diesem Tool dazu beitragen, dass Verbraucher fundierte, auf Fakten basierende Entscheidungen treffen können. Dafür haben sie ihr Programm als Open-Source-Software konzipiert. Wird das Programm von der Webseite heruntergeladen, können alle zugrundeliegenden Berechnungen eingesehen, beurteilt und auch geändert werden. „Wenn es um die ökologische Auswirkung von Verkehrsmitteln geht, wird bislang noch zu oft mit nicht fundierten Ergebnissen argumentiert, hinter denen unausgewogene Annahmen stecken“, sagt Sacchi. „Dem wollen wir durch unsere Nachvollziehbarkeit ein Ende setzen.“ Forschern bietet diese Transparenz zudem die Möglichkeit, die zugrundeliegenden Daten und Berechnungen für eigenen Studien zu nutzen und anzupassen.

Der „Carculator“ im Netz

Quelle: Paul Scherrer Institut (PSI)

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