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Astronomie|Physik Technik|Digitales

Wie ein Buch zum Bestseller wird

Das Lob eines Kritikers im Fernsehen oder in einer überregionalen Tageszeitung kann ein Buch von heute auf morgen in die Bestsellerliste katapultieren. Aber auch Mundpropaganda kann ein Buch zum Verkaufsschlager machen. Der Geophysiker Didier Sornette von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und seine Kollegen sind mit den Mitteln der statistischen Physik dazu in der Lage, beide Fälle anhand des zeitlichen Verlaufs der jeweiligen Platzierungen in der Bestsellerliste voneinander zu unterscheiden. Ein Artikel der Forscher wird am 26. November in der Fachzeitschrift Physical Review Letters erscheinen.

Bei vielen komplexen Systemen ist die entscheidende Frage für Wissenschaftler: Ist ein bestimmtes Ereignis durch einen äußeren Einfluss oder durch eine so genannte Selbstorganisation des Systems verursacht worden? Die jeweilige Antwort spielt beim Verständnis vieler Naturvorgänge eine Schlüsselrolle, beispielsweise bei Erdbeben, dem Aussterben biologischer Arten oder Vorgängen im menschlichen Gehirn. Auch Finanzmärkte werden sowohl von äußeren als auch von inneren Prozessen beeinflusst.

Sornette und Kollegen untersuchten den zeitlichen Verlauf der Platzierungen von Büchern, die es bei der amerikanischen Version des Internet-Buchladens Amazon in die Top-50-Bestsellerliste schafften. Wie zu erwarten, führt eine gute Kritik ? also ein äußerer Einfluss ? zu einem abrupten Aufstiegs eines Buches in dieser Liste. Der dann folgende länger dauernde Abstieg folgt einem mathematischen Potenzgesetz.

Den Zeitverlauf eines Buches, das es allein aufgrund von Mundpropaganda in die Bestsellerliste schaffte, konnten die Forscher mit einem Potenzgesetz beschreiben, das das „Gedächtnis“ des sozialen Systems der Leser berücksichtigt. Damit ist die Tatsache gemeint, dass viele Leser, die ein Buch aufgrund der Empfehlung eines Bekannten kaufen, dies oft erst Monate oder gar Jahre später tun. Im Fall der Mundpropaganda folgt sowohl der Auf- als auch der Abstieg einem Potenzgesetz, wobei der Abstieg aber langsamer erfolgt als im Fall der öffentlichen Buchempfehlung.

Die Forscher hoffen, dass ihre Analyse dazu beitragen wird, die „Geschichte“ komplexer Systeme zu erforschen. Da sich die Potenzgesetze, nach denen die Bücher die Bestsellerliste wieder herunterwandern, in den beiden betrachteten Fällen unterscheiden, kann man nachträglich noch die Art des Aufstiegs erschließen. Sornette und Kollegen ermuntern Wissenschaftler anderer Fachbereiche, in denen komplexe Systeme eine Rolle spielen, dazu, ähnliche Untersuchungen anzustellen.

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Eine Vorveröffentlichung der Arbeit der Forscher finden Sie im ePrint-Archiv arXiv.org (cond-mat/0310135).

Axel Tillemans
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