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Astronomie|Physik Technik|Digitales

Wissenschaft im Kino

Vieles, was die Helden von Actionfilmen erleben, erscheint schon dem Zuschauer unmöglich und lässt so manchem Wissenschaftler erst recht die Haare zu Berge stehen. Aber eine genauere Analyse zeigt: So manche unwahrscheinlich anmutende Szene lässt sich durchaus mit den Gesetzen der Physik vereinbaren. Allerdings werden die Kräfte, denen die todesmutigen Helden dabei ausgesetzt sind, häufig zugunsten der Publikumswirksamkeit ignoriert.

John McClane ist tot. Besser gesagt, er müsste tot sein. Denn der furchtlose Polizist, Hauptfigur in der mittlerweile vierteiligen „Stirb-langsam“-Reihe und verkörpert von Bruce Willis, hätte schon den ersten Teil nicht überleben dürfen. Zu diesem Schluss kommt, wer sich wie der Wiener Astrophysiker Heinz Oberhummer die waghalsigen Unternehmungen aus der Sicht der Wissenschaft anschaut. Zum Verhängnis geworden wäre McClane beispielsweise ein spektakulärer Sturz in den Fahrstuhlschacht jenes Hochhauses, in dem am Weihnachtstag eine Geiselnahme stattfindet. 13 Meter tief fällt er, bevor er sich an einem Vorsprung festklammern kann. Toll, denkt der Zuschauer – hanebüchen, denkt der Physiker.

Denn nach 13 Metern hat der fallende Polizist eine Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Stunde erreicht, berichtet das Magazin „bild der wissenschaft“ in seiner Oktoberausgabe. Würde er in dem Moment tatsächlich nach einem Vorsprung greifen, müsste er eine Kraft von ungefähr einer Million Newton aufwenden, um seinen Fall zu bremsen – genausoviel, als würde er ein 100 Tonnen schweres Passagierflugzeug nur mit seinen Fingern hochheben. Da Bruce Willis dazu wohl nicht in der Lage sein dürfte, hätte sich McClane auch nicht am Vorsprung festhalten können und wäre unweigerlich in die tödliche Tiefe gestürzt.

Doch zum Glück hat er ja überlebt und konnte die Welt noch dreimal vor bösen Gangstern retten. Und dabei hat er, oder haben vielmehr die Macher der Filme, einiges dazugelernt, wie Oberhummer entdeckte. Im vierten Teil beispielsweise springt der unerschrockene McClane von einem Flugzeugflügel auf einen schräg stehenden Brückenpfeiler – geschickt, denn er kann an der schrägen Fläche entlangrutschen und dadurch seinen Bremsweg auf etwa vier Meter verlängern, während er auf einer ebenen Asphaltfläche lediglich geschätzte 80 Zentimeter zur Verfügung hätte.

Nimmt man dabei an, nach dem Sprung aus etwa fünf Metern Höhe würde McClane mit Tempo 36 auf die Brücke prallen, müsste der Held auf der schrägen Ebene mit einer Bremskraft von 920 Newton fertig werden – kein Problem für einen Stuntman oder auch Willis selbst, erklärt Oberhummer. Auf dem flachen Asphalt hingegen wären es hals- oder zumindest knochenbrecherische 4.600 Newton gewesen, eine Bremskraft, die ungefähr der Last von einer halben Tonne entspricht.

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Gewisse Probleme mit derartigen Bremskräften hat auch Spider-Man alias Peter Parker in den drei Teilen der Comicverfilmung – oder vielmehr, er hat sie merkwürdigerweise nicht. Das betrifft vor allem die Szenen, in denen er von einem Hochhaus fällt und sich gerade noch mit Hilfe eines der Spinnenfäden fängt, die er seit dem Biss einer Laborspinne aus dem Handgelenk schleudern kann. Oberhummer rechnet vor: Nach 80 Metern im freien Fall beträgt Spider-Mans Geschwindigkeit ungefähr 140 Kilometer pro Stunde, der Bremsweg liegt dank des dehnbaren Seils aus Spinnenseide bei circa 20 Metern – ergibt zusammen eine Bremskraft von 2.940 Newton.

Dieser Größenordnung waren all jene Bedauerlichen ausgesetzt, die im Mittelalter mit Hilfe von jeweils einem Pferd an jedem Arm und jedem Bein gevierteilt wurden. Dabei, so Oberhummer, wirkte auf die einzelnen Gliedmaßen eine Kraft von etwa 750 Newton ein. Spider-Man müsste sich bei seinem publikumswirksamen Sprung demnach so fühlen, als hätte man ihm alle vier Pferde an einen Arm gebunden – was nicht gerade gesund sein dürfte.

Besser kommt in Oberhummers Analyse in „bild der wissenschaft“ das Spinnenseil selbst weg. Zwar bleibt die Frage ungeklärt, wie man einen Spinnenfaden produziert, der zweitausendmal so dick ist wie der einer herkömmlichen Spinne, aber zumindest die Kräfteverhältnisse sind richtig umgesetzt, so der Forscher. So wären etwa die knapp 3.000 Newton bei Spider-Mans Sturz für die Spinnenseide dank ihrer besonderen Zusammensetzung und der daraus resultierenden Zugfestigkeit keine größere Herausforderung. Ein Faden von nur zwei Millimetern Dicke könnte etwa problemlos 350 Kilogramm tragen und damit auch den Fall des Spinnenmanns mit Leichtigkeit auffangen.

Zehn solcher Fäden wären dann auch mehr als stark genug, um Peter seine romantischen Ausflüge mit seiner Angebeteten Mary Jane zu ermöglichen, bei der er es sich zusammen mit ihr auf einem selbstgesponnenen Netz bequem macht. Sogar ein Auto kann das Liebesnest noch tragen – schließlich schafft es gut und gerne 3.500 Kilogramm.

In vielen Actionszenen steckt also zumindest ein Körnchen physikalischer Wahrheit, lautet Heinz Oberhummers Resümee nach der Analyse einer ganzen Reihe solcher Filme, darunter etwa auch die Matrix-Trilogie oder die X-Men-Serie. Den Spaß verderben sollen solche Bewertungen dabei übrigens nicht, im Gegenteil: Der Physiker möchte mit seinen nicht ganz ernst gemeinten Berechnungen wissenschaftliche Zusammenhänge populärer machen – und damit zeigen, dass nicht nur Actionfilme, sondern auch Physik und Co Spaß machen können.

Bettina Gartner: „Wenn Wissenschaft ins Kino geht“ In: bild der wissenschaft 10/2007, S. 86 ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
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