Abschreckend bunt - wissenschaft.de
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Abschreckend bunt

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Die grelle Farbe der Eier der Schnecke Pomacea canaliculata schreckt Fressfeinde ab. Foto: Marcos Sebastia´n Dreon et al., PLoS one
Selbst der gefräßigste Räuber sollte besser seine Finger von den Eiern der Apfelschnecke lassen: Sie enthalten neben einem starken Nervengift auch noch einen gefährlichen Farbstoff. Letzterer verleiht ihnen nicht nur ihre typische grell rosa Farbe, sondern sorgt zusätzlich dafür, dass es Fressfeinden schlecht ergeht – er hemmt Enzyme im Magen der Eierdiebe und stört damit deren Verdauung, wie argentinische Forscher nun herausgefunden haben. Eine derartige Schutzstrategie war bisher nur von Pflanzen bekannt. Die Apfelschnecke ist damit das erste Tier, bei dem dieser Abwehrmechanismus nachgewiesen wurde.

Eier enthalten viele Nährstoffe und sind daher eine beliebte Beute. Während die meisten Tiere daher um ihren ungeborenen Nachwuchs bangen müssen, hat die Apfelschnecke (Pomacea canaliculata) bestens geschützt: Ihre Eier, die die Süßwasserschnecke an den Blättern von Pflanzen außerhalb des Wassers ablegt, sind bestens geschützt. Ihre grelle Signalfarbe schreckt die meisten Räuber ab. Und das ist auch gut so: Sie enthalten ein Protein, das das Rückenmark schädigt und in hohen Dosen sogar tödlich wirkt, wie frühere Studien bereits gezeigt hatten. Allerdings setzt die Wirkung dieses Proteins nur langsam ein.

Eine Zweite Waffe der Schnecke ist schneller, wie die Forscher nun zeigen konnten: Der Farbstoff Ovorubin, dem die Eier ihre Pinke Farbe verdanken. Er schützt die Eier nicht nur vor UV-Licht und Austrocknung, sondern verursacht bei Feinden auch Verdauungsprobleme: Er hemmt die Aktivität von Trypsin, einem proteinspaltenden Verdauungsenzym. Dadurch blockiert der Farbstoff letztlich die Verdauung der Ei-Proteine im Magen des Räubers. Experimente belegten diesen Effekt: Ratten, denen die Forscher ovorubinhaltige Nahrung gaben, wuchsen wesentlich langsamer als Nager, die das gleiche Futter ohne Ovorubinzusatz erhielten.

Horacio Heras (National University of La Plata) et. al.: PLoS One, Onlinevorabveröffentlichung, doi:10.1371/journal.pone.0015059 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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