Äffische Männerfreundschaften - wissenschaft.de
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Äffische Männerfreundschaften

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Ein männlicher Assam-Makake. Credit: Universität Göttingen
Männerfreundschaften zahlen sich für Makaken aus: Je geselliger ein Männchen ist, desto besser stehen seine Chancen, sich zu vermehren, hat ein deutsches Forscherteam entdeckt. Das Prinzip dahinter: Die Beziehungen – und zwar sowohl mit verwandten als auch mit nicht verwandten Artgenossen – verhelfen den Primaten zum Aufstieg in der sozialen Hierarchie in ihrer Gruppe. Damit erhöht sich für die Affen die Wahrscheinlichkeit, dass sie Nachwuchs zeugen. Bisher hatten die Forscher angenommen, dass es enge Beziehungen zwischen Männchen in der Tierwelt nur unter Verwandten gibt. Denn diese helfen bei der Weitergabe der eigenen Gene – und nur darum gehe es der gängigen Theorie nach, berichten die Wissenschaftler um Oliver Schülke von der Georg-August-Universität Göttingen.

Über zwei Jahre hatten sich die Forscher auf die Lauer gelegt: Im Phu-Khieo-Naturschutzgebiet im Nordosten Thailands beobachteten sie eine Gruppe freilebender Assam-Makaken, in der insgesamt zwölf männliche Tiere lebten. Ziel war es, festzustellen, ob die Männchen untereinander freundschaftliche Beziehungen pflegten. Und wenn, ob und wie die Kontakte den Tieren Vorteile verschafften. Um herauszufinden, welcher Primat mit wem verwandt war und wer wie viele Nachkommen gezeugt hatte, nahmen die Wissenschaftler zudem DNA-Proben aller Tiere und untersuchten sie im Labor.

Die männlichen Makaken bauten intensive Männerfreundschaften in der Gruppe auf, beobachtete das Forscherteam: Sie verbrachten viel Zeit miteinander und lausten sich häufig gegenseitig das Fell. Diese Beziehungen beschränkten sich aber nicht nur auf Verwandte beschränkt, wie die Forscher zunächst erwartet hatten: Auch mit Blutsfremden knüpften die Affen intensive Kontakte. Je enger diese Beziehungen waren, desto mehr neigten die Makaken-Männchen zudem dazu, sich zu verbünden. Das sicherte jedem nicht nur eine höhere Stellung in der sozialen Hierarchie, sondern auch die Möglichkeit, mehr Nachwuchs zu zeugen.

Die Wissenschaftler waren bisher davon ausgegangen, dass es enge Beziehungen zwischen Männchen einer Gruppe entweder gar nicht oder nur unter Verwandten gibt. Denn das Interesse der Tiere, so die Annahme, liege schließlich darin, die eigenen Gene weiterzugeben – und da Verwandte zumindest zum Teil die gleichen Gene besitzen, können sie dabei helfen. Allerdings war von Schimpansen bereits bekannt, dass starke Bindungen zwischen männlichen Tieren den Zusammenhalt unter den Kameraden fördern, wenn es darum geht, hierarchische Stellungen zu verteidigen. Doch die Menschenaffen unterscheiden sich von Makaken, betonen die Forscher: Während Schimpansen ihr ganzes Leben in der gleichen Gruppe verbringen, verlassen Makaken früher oder später die Gemeinschaft, in der sie geboren wurden. Schimpansen freunden sich demnach meist mit Brüdern und anderen Blutsverwandten an – Makaken dagegen vor allem mit Nichtverwandten.

Oliver Schülke (Georg-August-Universität Göttingen) et al.: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2010.10.058 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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