Affen auf Koks - wissenschaft.de
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Affen auf Koks

Affen sind weniger anfällig für die Kokainsucht, wenn sie aus einem aufmerksamen und umsorgten sozialen Umfeld kommen. Der amerikanische Forscher Michael Nader stellte bei ranghöheren Affen, die ein angenehmeres und weniger stressiges Leben führen als ihre rangniederen Artgenossen, Veränderungen in der Gehirnchemie fest. Diese Veränderungen machen die Tiere nicht nur suchtresistenter, sondern senken möglicherweise auch nach dem Entzug die Rückfallquote.

Kokain erhöht den Pegel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn und führt so zu den viel beschriebenen Rauschzuständen. Allerdings passt sich das Gehirn mit der Zeit an einen dauerhaft erhöhten Dopaminspiegel an, indem es die Anzahl der Dopaminrezeptoren abbaut.

Mit wie vielen Dopaminrezeptoren ein Affengehirn ausgestattet ist, hängt vom sozialen Status des Affen ab, hat Nader herausgefunden. Ranghöhere Affen, die von ihren Artgenossen verwöhnt und umsorgt werden, haben mehr Dopaminrezeptoren als ihre gestressten Kollegen ? und zwar nicht von Geburt an, sondern aufgrund ihrer bevorzugten Behandlung. Gleichzeitig ist es unwahrscheinlicher, dass ein Affe von höherem sozialen Status zum Kokain greift als sein rangniederer Kollege. Aus dieser Beobachtung schließt Nader, dass zwischen der Anzahl der Dopaminrezeptoren im Gehirn und dem Hang zur Kokainabhängigkeit ein Zusammenhang besteht.

Hat ein Affe jedoch einmal Geschmack am Kokain gefunden, spielt sein Rang für den weiteren Verlauf der Abhängigkeit keine Rolle mehr: Die Zahl der Dopaminrezeptoren im Hirn verringert sich. Erst wenn er die Kokainsucht überwindet, gewinnt das soziale Umfeld wieder an Bedeutung: Bei Affen mit höherem sozialen Status nimmt die Zahl der Dopaminrezeptoren im Gehirn nach sechs bis neun Monaten wieder zu, hat Nader herausgefunden. Er vermutet, dass diese Affen nicht so schnell wieder zum Kokain greifen wie ihre rangniederen Artgenossen.

Der Forscher zieht aus seinen Beobachtungen Hoffnung für Menschen, die die Kokainsucht überwunden haben. Auch das menschliche Gehirn sei in der Lage, sich nach dem Kokaingebrauch zu erholen und die Zahl der Dopaminrezeptoren zu erhöhen, vermutet Nader. Zwar könne dies Jahre dauern, doch vor allem spiele das soziale Umfeld für die Besserung eine wichtige Rolle. Faktoren wie Arbeit, Ausbildungsmöglichkeiten und Rückhalt in der Familie unterstützen den Weg aus der Abhängigkeit und schützen ehemalige Abhängige vor Rückfällen, meint Nader. „Man muss die Leute aus dem Drogenumfeld herausholen, denn das soziale Umfeld wirkt enorm auf das Dopaminsystem und damit auf den Hang zur Drogensucht“, fährt er fort.

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Michael Nader ( Wake-Forest-Universität, Winston-Salem): Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Suchtmedizin ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg
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