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Umwelt+Natur

Afrika: Mehr Menschenaffen als gedacht

Gorillas
Jungtiere des Westlichen Flachlandgorillas auf dem Rücken ihrer Mutter (Foto: Terence Fuh Neba, WWF Central African Republic)

Zur Abwechslung gibt es eine gute Nachricht aus dem Artenschutz: Die bisher umfangreichste „Volkszählung“ unter den Gorillas und Schimpansen des westlichen äquatorialen Afrika hat ein positiveres Ergebnis geliefert als erwartet. Demnach ist die Zahl dieser Menschenaffen im Kongobecken deutlich höher als bislang vermutet – und damit in dem Gebiet, in dem die meisten dieser Menschenaffen leben. Allerdings: Beide Menschenaffenarten sind trotzdem weiterhin gefährdet.

Gorillas und Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten. Doch das hat uns Menschen bislang nicht daran gehindert, diese Menschenaffen an den Rand der Ausrottung zu bringen. „Zwar sind alle Menschenaffen durch nationale Gesetze und internationale Konventionen geschützt – es ist illegal, sie zu töten, zu fangen oder mit lebenden oder toten Tieren Handel zu treiben“, erklären Samantha Strindberg von der Wildlife Conservation Society und ihre Kollegen. Trotzdem gefährden Wilderei, die Abholzung von Urwald zugunsten von Palmölplantagen und andere Eingriffe des Menschen weiterhin das Überleben der Menschenaffen.

Mehr Menschenaffen als erwartet

Um herauszufinden, wie groß die Bestände im Kongobecken, dem wichtigsten Verbreitungsgebiet der Gorillas und Schimpansen, noch sind, haben die Forscher über zehn Jahre hinweg die bisher größte „Volkszählung“ bei Westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) und Zentralafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes troglodytes) durchgeführt. Mehr als 90 Prozent aller Individuen der vier Gorilla-Unterarten leben im westlichen Äquatorialafrika. Auch die Mehrzahl der Schimpansen ist hier beheimatet. Für ihre Studie verbrachten die Forscher insgesamt rund 61.000 Tage im Feld und legten eine Strecke von 8700 Kilometern zurück.

Das erfreuliche Ergebnis: Im Kongobecken leben mehr Menschenaffen als erwartet. Die Zählung ergab rund 360.000 Westliche Flachlandgorillas und 130.000 Zentralafrikanische Schimpansen. Bei den Gorillas sind die Bestände damit rund 30 Prozent, bei den Schimpansen etwa neun Prozent höher als bislang vermutet. Der größte Teil beider Affenarten lebt in den beiden Ländern Kongo und Gabun. Nach Angaben der Forscher kommt diese Steigerung vor allem dadurch zustande, dass man Gebiete in die Analysen einbezogen hat, die zuvor nicht als Lebensräume von Gorillas und Schimpansen eingestuft wurden oder die nicht untersucht werden konnten.

„Das Ergebnis ist spektakulär und als Naturschützer freut es mich natürlich, dass es mehr Gorillas und Schimpansen gibt als bisher gedacht“, sagt Thomas Breuer, Referent für Zentralafrika beim WWF Deutschland und Co-Autor der Studie.

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Rückgang der Bestände hält dennoch an

Doch es gibt auch eine weniger gute Nachricht: Vor allem die Zahlen der Gorillas gehen immer weiter zurück. Zwischen 2005 und 2013 nahm der Gorillabestand im westlichen äquatorialen Afrika demnach um 19,4 Prozent ab – dies entspricht einer jährlichen Verlustrate von rund 2,7 Prozent. „Beide Arten sind weiter bedroht und unsere Analysen zeigen, dass insbesondere der Bestand des Gorillas deutlich zurückgeht. Wir haben somit lediglich etwas länger Zeit für die Rettung, aber die Lage bleibt kritisch“, sagt Breuer.

Eine der Ursachen dafür ist die anhaltende Bedrohung der Menschenaffen: Aktuell macht ihnen vor allem die Wilderei zu schaffen, berichten die Forscher. Die Tiere werden im großen Stil gejagt, um ihr Fleisch auf den Märkten der wachsenden Städte der Region zu verkaufen. In manchen Gebieten sprechen Fachleute bereits vom „empty forest syndrome“: Auf den ersten Blick intakte Wälder, in denen aber kaum noch Tiere leben.

Mehr Schutz ist nötig

Hinzu kommt: Knapp 80 Prozent der Gorillas und Schimpansen leben zurzeit außerhalb von Schutzgebieten. Nur eine kleine Minderheit hält sich in geschützten Waldgebieten auf, die von Rangern bewacht werden. Bei den Gorillas sind dies nur 2,6 Prozent, bei den Schimpansen rund drei Prozent, wie die Wissenschaftler ermittelten. Ein weiterer Teil lebt in Regenwaldgebieten, in denen zwar ein begrenzter Holzeinschlag erlaubt ist, aber trotzdem Wächter die Tiere vor Wilderern schützen. Die Präsenz von Rangern sei jedoch für das Überleben der Gorillas und Schimpansen ein wichtiger Faktor, so die Forscher.

Neben einer Ausweitung geschützter Areale plädieren die Wissenschaftler aber auch für eine naturverträglichere Nutzung der Wälder in Zentralafrika. „Noch haben wir es im Kongobecken mit dem zweitgrößten Regenwald der Erde zu tun. Aber der Nutzungsdruck steigt. Forstkonzessionen, Bergwerke und Plantagen schießen aus dem Boden“, sagt Thomas Breuer vom WWF. „Wir stecken in einer entscheidenden Phase und müssen alles daran setzen, die Entwicklung in eine naturverträgliche Richtung zu lenken.“

Quelle: WWF World Wide Fund For Nature, Fachartikel: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aar2964

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