Aggressiver Fingerzeig - wissenschaft.de
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Aggressiver Fingerzeig

Aggressive Männer verraten sich durch ihre Hände: Ist der Ringfinger deutlich länger als der Zeigefinger, tendieren die Männer eher zu körperlicher Gewalt als bei einem ausgeglichenen oder umgekehrten Verhältnis. Das schließen kanadische Forscher aus einer Studie mit 300 Studenten. Allison Bailey und Peter Hurd von der Universität von Alberta in Edmonton stellen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Biological Psychology vor (Bd. 68, Nr. 3, S. 215).

Für Wissenschaftler ist ein kurzer Zeige- und ein langer Ringfinger bei Männern ein Zeichen für ausgeprägte Männlichkeit. Hintergrund dieses eher absurd erscheinenden Zusammenhangs ist die Tatsache, dass die Fingerlängen das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen widerspiegeln, dem der Fötus im Mutterleib ausgesetzt war. Je mehr Testosteron die Mutter oder der Embryo dabei bildet, desto länger wird sein Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger. Dieses hormonelle Verhältnis hat auch Einfluss auf die körperliche Entwicklung und das spätere Verhalten, haben bereits mehrere Studien gezeigt. So sind Männer mit männlicheren Fingerlängenverhältnissen im Schnitt körperlich leistungsfähiger und werden von Frauen eher als maskulin und dominant beschrieben.

Aber auch der Hang zur Aggressivität wird offenbar zumindest zum Teil durch die Hormone geprägt, entdeckten Bailey und Hurd in ihrer neuen Untersuchung. Die Forscher ließen dabei 300 junge Männer und Frauen Fragebögen ausfüllen, um aggressive Tendenzen aufzudecken. Diese Werte verglichen sie mit den Längenverhältnissen von Zeige- und Ringfinger der Probanden.

Zwischen verbaler Aggressivität oder Feindseligkeit und dem Fingerverhältnis gab es keinen Zusammenhang, ergab die Auswertung. Dagegen ging ein Hang zu körperliche Gewalt eindeutig mit einem männlicheren Fingerlängenverhältnis einher. Es sei jedoch falsch anzunehmen, von der Fingerlänge könne direkt auf den Charakter einer Person geschlossen werden: „Die Fingerlängen erklären etwa fünf Prozent der Charaktervariationen bei solchen Eigenschaften“ kommentiert Studienleiter Hurd. Die Längenverhältnisse können seiner Ansicht nach aber bei der Aufklärung helfen, wie sich verschiedene Persönlichkeitszüge entwickeln.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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