Allergien: Große Wissenslücken bei Hausärzten - wissenschaft.de
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Allergien: Große Wissenslücken bei Hausärzten

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Nicht immer hat der Hausarzt den Durchblick, wenn es um Allergien geht (thinkstock)
Heuschnupfen, Asthma, Nahrungsmittelunverträglichkeit: Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an einer Allergie – eine Volkskrankheit, die weltweit immer häufiger wird. Mit ihren Beschwerden gehen Betroffene meist zum Hausarzt. Der wird schon wissen, worauf man achten muss und welche Therapie die beste Linderung verspricht, oder? Weit gefehlt. Eine Umfrage unter US-amerikanischen Medizinern offenbart nun: Viele Ärzte haben bedeutende Wissenslücken. Oder behandeln nach überholten Erkenntnissen.

Mythen haben eine lange Haltbarkeit. Sie sind hartnäckig und oft setzen sie sich selbst in den Köpfen jener fest, die es eigentlich besser wissen sollten. Beim Thema Allergien ist das offensichtlich nicht anders. „Einige Mediziner können Fakten nicht von Fiktion unterscheiden, wenn es um die Behandlung allergischer Beschwerden geht.“ So lautet das harsche Urteil, zu dem ein Team um die Allergologin Kara Wada vom American College of Allergy, Asthma and Immunology (ACAAI) kommt. Die Wissenschaftler haben Internisten und Kinderärzten Fragen zur Therapie gängiger Allergien gestellt. Schließlich sind diese oft die erste Anlaufstelle für Betroffene. Die Ergebnisse der anonymen Befragung hat das Team nun auf dem Jahrestreffen des ACAAI präsentiert.

Schlechte Noten für Hausärzte

409 Mediziner nahmen an dem Online-Wissenstest teil – und schnitten dabei größtenteils nicht gerade gut ab: „Wir haben zum Beispiel gefragt, was die beste Erstversorgung für jemanden ist, der auf ein bekanntes Nahrungsmittelallergen mit Erbrechen und Nesselausschlag reagiert“, berichtet Wada. „Lediglich die Hälfte der Internisten wusste die korrekte Antwort: Adrenalin verabreichen.“ Und nach welchen Allergien muss man Patienten fragen, bevor man ein bildgebendes Verfahren wie einen CT-Scan veranlasst, bei dem Iod als Kontrastmittel eingesetzt wird? Auch bei dieser Frage hatten die Mediziner Schwierigkeiten. 80 Prozent entschieden sich für die scheinbar auf der Hand liegende Antwort Iod. Der Haken an der Sache: Iod kann gar nicht allergen wirken, weil es von Natur aus im menschlichen Körper vorkommt. Zwar gibt es Menschen, die auf iodhaltige Röntgenkontrastmittel allergisch reagieren. Schuld daran ist aber nicht der Iodanteil, sondern die organische Substanz, die als Trägermolekül verwendet wird.

Zusätzlich zu solchen allgemeinen Fragen mussten die Kinderärzte ihr Wissen rund um  Allergien bei den Kleinsten beweisen. Das Ergebnis fiel ebenfalls nur mäßig aus. Weder kannte ein Großteil der Mediziner die Lebensmittelunverträglichkeiten, die bei Kindern unter vier Jahren am häufigsten vorkommen – es sind Eier und Milch. Noch wussten sie, dass der sogenannte Prick-Test, ein verbreitetes allergologisches Testverfahren, bereits bei Kleinkindern verlässlich ist.

Spezialisten wissen mehr

Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind – sie weisen dennoch darauf hin, dass es vielen, nicht auf das Fachgebiet Allergologie spezialisierten Medizinern an grundlegendem Basiswissen fehlt. Und dass sie häufig nicht über den neuesten Stand der Forschung Bescheid wissen. Denn was gestern noch Fakt war, kann in der Wissenschaft heute schon als Fehler gelten. So gingen 85 Prozent der Befragten davon aus, eine Hühnereiweißallergie sei eine klare Kontraindikation gegen die Grippeimpfung, weil die Impfstoffe geringe Restmengen an Hühnereiweiß enthalten. Heute wisse man jedoch: Nur bei extremen Allergikern sei eine Impfung gefährlich, so Wada: „Die meisten Betroffenen können unter sorgfältiger Überwachung gefahrlos geimpft werden.“

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Ihr Team fordert deshalb Verbesserungsstrategien im Bereich der Aus- und Fortbildung für Ärzte sowie bei der Qualitätssicherung. Es müsse gewährleistet werden, dass sich die Patientenversorgung stets nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen richte, um etwa unnötige Diagnose-Tests und damit auch unnötige Kosten zu vermeiden. Mitautor David Stukus – übrigens selbst Allergologe – rät Allergie-Geplagten derweil, im Zweifel lieber einen ausgewiesenen Spezialisten zu konsultieren.

Quelle:

© wissenschaft.de – Daniela Albat
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