Alternde Entscheidungsfähigkeit - wissenschaft.de
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Alternde Entscheidungsfähigkeit

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Credit: Thinkstock
Soll ich ein Risiko eingehen, oder besser nicht? Der Mensch muss sich solchen Entscheidungen im Laufe des Lebens häufig stellen. Die einen tun sich dabei schwerer als die anderen und auch die Risikobereitschaft ist individuell unterschiedlich. Doch Forschern zufolge ist offenbar auch das Alter ein Faktor, der die Entscheidungsfähigkeit beeinflussen kann. Ihre Experimente belegen, dass Menschen ab 65 im Durchschnitt weniger konsistent bei ihren Entscheidungen sind: Sie kommen bei Wiederholungen der gleichen Wahlaufgabe häufiger zu unterschiedlichen Entscheidungen als jüngere Erwachsene. Außerdem neigen sie zu weniger Risikofreude bei der Wahl zwischen möglichen Gewinnen, seltsamerweise aber nicht bei der Wahl zwischen Verlustrisiken.

Es ist bereits lange bekannt, dass sich einige geistige Fähigkeiten im Laufe der Jugend verbessern, dann im Erwachsenenalter ihren Höhepunkt erreichen und schließlich mit zunehmendem Alter wieder nachlassen. Inwieweit dies auch auf die Entscheidungsfähigkeiten des Menschen zutrifft, ist bisher weitgehend unerforscht geblieben, sagen Ifat Levy von der Universität Yale in New Haven und seine Kollegen. Sie sind dieser Frage nun erstmals durch Versuche gezielt nachgegangen.

 

An der Studie nahmen insgesamt 135 Probanden im Alter zwischen 12 und 90 Jahren teil. Sie spielten experimentelle Spiele, die gezielt darauf ausgerichtet sind, das Entscheidungsverhalten von Personen aufzudecken. Dabei gibt es Spielelemente, bei denen die Probanden mit Gewinn- oder Verlustsituationen konfrontiert sind. Bei der Gewinn-Variante müssen sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie fünf US-Dollar risikolos einsacken, oder dieses Geld bei einem Glücksspiel einsetzen, das eine Chance auf mehr, aber auch weniger Ausbeute bietet. Das Verlustspiel funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nur dass die Folgen negativ sind: Es gibt beispielsweise die Wahl zwischen einem Verlust von fünf Dollar oder einer Risikovariante – minus acht oder aber gar kein Verlust. Vor diesen Entscheidungen standen die Probanden im Laufe des Versuchss mehrmals.

 

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Experimentelle Glücksspiele

 

Es zeigte sich: Die Probanden ab 65 Jahren erspielten sich im Durchschnitt deutlich weniger als ihre jüngeren Kollegen. Ihre Entscheidungen bei wiederholt gleichen Wahlmöglichkeiten waren weniger gleichbleibend als bei den jüngeren Probanden, ergaben die Auswertungen. Den Forschern zufolge spiegelt das eine schlechtere Fähigkeit zur Entscheidungsfindung wieder. Außerdem zeigten sich die älteren Teilnehmer vergleichsweise wenig risikofreudig bei der Gewinn-Variante des Testspiels. Bei der Verlust-Variante war das allerdings nicht der Fall. Dies sei ein Zeichen für die weniger objektive Beurteilungsfähigkeit von Risiken, denn in beiden Varianten ist das prinzipielle Risiko eigentlich das gleiche.

 

Interessanterweise fanden die Forscher diesen Effekt tendenziell auch bei den jugendlichen Testeilnehmern. Die Risikobereitschaft folgt also einer umgedrehten U-Form, sagen sie: In der Adoleszenz ist die Risikofreude vergleichsweise gering, steigt dann im Erwachsenenalter an und schwindet mit zunehmendem Alter. Die Forscher sehen in ihren Studienergebnissen einen starken Hinweis darauf, dass auch das Entscheidungsvermögen an die Alterskurve gekoppelt ist. Sie räumen allerdings ein, dass noch weitere Untersuchungen folgen müssen, um den Zusammenhang weiter zu bestätigen.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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