Brandenburgischer See entpuppt sich als eine der dunkelsten Regionen Deutschlands Am Stechlinsee ist die Nacht noch dunkel - wissenschaft.de
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Brandenburgischer See entpuppt sich als eine der dunkelsten Regionen Deutschlands

Am Stechlinsee ist die Nacht noch dunkel

Stechlinsee
Mithilfe dieses Leuchten untersuchen Wissenschaftler die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf den Stechlinsee. (Foto: Andreas Jechow, IGB/GFZ)
Wer eine richtig dunkle Nacht erleben möchte, der sollte zum Stechlinsee im Norden Brandenburgs fahren. Denn dieser See ist kaum von der Lichtverschmutzung betroffen, obwohl er in der Nähe Berlins liegt. Er gehört damit zu den dunkelsten Regionen Deutschlands, wie Messungen belegen.

Wir machen die Nacht zum Tag: Die künstliche Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Industrieanlagen überlagert vielerorts den natürlichen Wechsel von Tageslicht und Nachtdunkel. Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung kennt schon keine echte Dunkelheit mehr, weil sie unter einem anomal hellen Nachthimmel lebt. Das aber hat Konsequenzen – vor allem für die Tierwelt, deren innere Uhr durch das Kunstlicht durcheinandergerät.

Helligkeitstest am Stechlinsee

Um herauszufinden, wie sich die Lichtverschmutzung auf Lebewesen in Seen auswirkt, haben sich Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf die Suche nach einem möglichst noch dunklen See in Deutschland gemacht. Denn sie wollten dort in einem Freilandexperiment erforschen, wie nächtliches Störlicht die Lebenswelt verändert und wie schnell dies geschieht.

Prinzipiell schien den Forschern dabei der Stechlinsee im Norden Brandenburgs dafür geeignet. Darauf deuteten Modellrechnungen hin, die auf nächtlichen Satellitenaufnahmen aus den 1990er Jahren beruhten. Doch seit der Wende hat sich in puncto Beleuchtung viel getan. Aus diesem Grund untersuchten Andreas Jechow und Kollegen die Himmelshelligkeit über dem Stechlinsee erneut. Statt sich auf Satellitenbilder zu stützen, arbeiteten sie diesmal mit einem direkt auf dem See installierten Sensor.

So dunkel wie vor der Lampen-Ära

Das überraschende Ergebnis: Der Nachthimmel über dem Stechlinsee ist heute noch nahezu so dunkel wie vor Einführung der elektrischen Beleuchtung. Eine klare, mondlose Nacht ist dort tatsächlich noch stockdunkel. Der See und das umliegende Gebiet gehören damit zu den dunkelsten Regionen Deutschlands.

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„Besonders überrascht hat uns, dass trotz der Nähe zu Berlin die Himmelshelligkeit über dem Stechlinsee durch Wolken sogar noch weiter herabgesetzt wird“, sagt Jechow. „Eigentlich ist das normal, trifft aber heute nur noch auf ganz wenige Regionen der Welt zu.“ Denn in dunklen Gebieten verdecken die Wolken die Sterne und den Mond und sorgen so für noch intensivere Dunkelheit. Dort jedoch, wo nächtliche Beleuchtung Streulicht aussendet, werfen die Wolken dieses Licht zurück und verstärken die Helligkeit noch.

Freilandexperiment kann beginnen

Damit ist klar: Der Stechlinsee bietet beste Referenzbedingungen für das nun beginnende Freilandexperiment. Der Versuch, an dem 60 Wissenschaftler aus über zehn Ländern beteiligt sind, dauert bis Mitte Oktober und findet am Seelabor, einer im Stechlinsee schwimmenden Forschungsplattform, statt. Die Versuchsanlage besteht aus 24 Zylindern, die Seebecken von jeweils neun Meter Durchmesser und zwanzig Meter Tiefe einschließen. Über ein spezielles System mit LED-Leuchten wird das diffuse Licht des Himmelsleuchtens im Seelabor simuliert.

Um die Reaktionen im Ökosystem See zu verfolgen, werden die Forscher in den nächsten Wochen am Tag und in der Nacht Proben nehmen und das Verhalten von Schlüsselarten wie Wasserflöhen und Fischen mittels Video und Sonar beobachten. „Die Effekte dieser Art von Lichtverschmutzung auf das Ökosystem und die Biodiversität sind weitgehend unbekannt, könnten aber erheblich sein“, erklärt Projektleiter Mark Gessner vom IGB. Die Ergebnisse des Versuchs versprechen daher sowohl neue Erkenntnisse zur Wirkung nächtlicher Beleuchtung auf Seen als auch Hinweise, die für das Gewässermanagement bedeutsam sind.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

© natur.de – Nadja Podbregar
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