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Umwelt+Natur

Ananasgewächse in Gefahr

Bromelie
Wie viele Arten der Bromeliengewächse ist auch Guzmania sanguinea vom Aussterben bedroht. (Bild: Daniel Caceres)

Wir kennen sie hauptsächlich als Lebensmittel und Zierpflanzen. Doch Ananas- oder Bromeliengewächse spielen in ihrer ursprünglichen Heimat, dem tropischen Amerika, auch eine wichtige Rolle für die dortigen Ökosysteme. Umso erschreckender ist, was Forscher nun zum Gefährdungsstaus dieser Pflanzenfamilie prognostizieren. Ihren Analysen zufolge könnten 81 Prozent der Bromelien in der Neuen Welt vom Aussterben bedroht sein – besonders gefährdet sind in den zentralen Anden und an der Ostküste Brasiliens verbreitete Arten. Die demnach dringend nötigen Schutzmaßnahmen sollten sich nach Ansicht des Teams daher zunächst auf diese Gebiete konzentrieren.

Die Ananas ist für ihr süßes gelbes Fruchtfleisch bekannt, das gerne als frisches Obst und Konservenware verzehrt wird oder zu Saft verarbeitet den Weg in die Supermarktregale findet. Das Bromeliengewächs wird heute in fast allen tropischen Gebieten der Welt als Nutzpflanze angebaut – doch seine ursprüngliche Heimat ist Amerika. Neben der berühmten Ananas comosus sind in den amerikanischen Tropen eine Vielzahl verwandter Pflanzen heimisch: Insgesamt kennen Forscher über 3500 Arten aus der Familie der Ananasgewächse, die vom Süden der USA bis ins südliche Argentinien und Chile verbreitet sind. Obwohl diese Bromelien eine wichtige Rolle für die Ökosysteme spielen, ist über ihre Verbreitung und ihren potenziellen Gefährdungsstatus allerdings kaum etwas bekannt.

Um dies zu ändern, haben Alexander Zizka vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig und seine Kollegen nun Daten zum Vorkommen von 3272 Bromelienarten ausgewertet und auf dieser Basis die geografische Verbreitung der einzelnen Spezies modelliert. Mithilfe zusätzlicher Informationen und einer speziellen Software berechneten sie in einem zweiten Schritt, ob diese Pflanzen möglicherweise vom Aussterben bedroht sind. Dabei wendeten sie die gängigen Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN an.

81 Prozent bedroht?

Die Auswertungen enthüllten: 81 Prozent der untersuchten Bromelienarten sind wahrscheinlich gefährdet. „Unser Ergebnis ist erschütternd! Laut den Daten sind 2638 der Arten möglicherweise vom Aussterben bedroht – insbesondere die Pflanzen in den zentralen Anden und im ‚Mata Atlantica‘, einem tropischen Regenwald an der Ostküste Brasiliens, sind extrem gefährdet“, berichtet Mitautor Georg Zizka vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Wie die Wissenschaftler herausfanden, scheinen anders als bislang angenommen vor allem die lithophytischen Pflanzen betroffen zu sein – also Bromelien, die direkt auf Gestein wachsen. Die sogenannte Aufsitzerflora, die auf anderen Pflanzen wächst, ist demnach weniger gefährdet.

Wie aussagekräftig aber sind die aktuellen Schätzungen? Der aufgrund der neuen Daten vermutete Anteil gefährdeter Spezies innerhalb der Bromelien ist deutlich höher als für andere taxonomische Gruppen bekannt. Dort sind laut IUCN in der Regel 30 bis 40 Prozent der Arten vom Aussterben bedroht, wie Zizka und seine Kollegen erklären. Tatsächlich birgt die von ihnen verwendete Methode das Risiko, die Gefährdung einzelner Arten zu überschätzen. Denn sie bezieht sich im Wesentlichen auf die Größe des Verbreitungsgebiets. Kontrollversuche mit Daten aus der Literatur zeigten jedoch: In immerhin mehr als 76 Prozent der Fälle schätzte das Verfahren eine Spezies korrekt als möglicherweise gefährdet oder nicht gefährdet ein. Und noch etwas spricht dafür, dass die Forscher mit ihrer Einschätzung richtig liegen: Eine regionale Studie zu den in Chile heimischen Bromelien kam kürzlich auf ähnliche Zahlen. Demnach sind von diesen Arten 78 Prozent bedroht – das liegt erstaunlich dicht an den nun berechneten 81 Prozent.

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„Unverzichtbarer Teil des Ökosystems“

Für die Wissenschaftler ist damit klar, dass schnelles Handeln nötig ist: „Der Schutz der Bromeliengewächse sollte in den von uns definierten besonders gefährdeten Gebieten und bei den lithophytischen Gewächsen beginnen“, fordern sie. Andernfalls drohten empfindliche Folgen. „Die Pflanzen sind ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems: Sie bieten mit ihren wasserspeichernden Blattkelchen Lebensraum für mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten. Amphibienarten laichen dort, die Blütenstände werden von großen Säugetieren wie dem Brillenbär verspeist und wir Menschen nutzen einige Arten als Nahrungsmittel oder zur Gewinnung von Fasern oder Wirkstoffen“, betont Georg Zizka.

Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; Fachartikel: Diversity and Distributions, doi: 10.1111/ddi.13004

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