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Antibabypille reduziert nicht die Knochendichte

Mikro-Antibabypillen führen bei jungen Frauen nach überwiegender Expertenmeinung nicht zu Knochenschäden. „Mit Ausnahme einer einzigen Untersuchung zeigen alle internationalen Studien eine Zunahme von Knochendichte“, sagte der Gynäkologe Alexander Teichmann von der Frauenklinik Aschaffenburg am Montag. Das ARD-Fernsehmagazin „Report“ (Mainz) hatte Mediziner zitiert, die vor einem reduzierten Knochenaufbau und vermehrten Knochenbrüchen im Alter warnten, wenn schon junge Frauen unter 18 Jahren diese Pillen einnähmen.

Teichmann wies diese Behauptungen zurück. Die Annahme, die Knochen junger Frauen könnten unter der Einnahme von Mikropillen leiden, sei „irre“. „Nach vorliegender Datenlage ist das völliger Quark“, betonte auch der Gynäkologe Alexander Rübig vom Berliner Pharmakonzern Schering AG. Das Unternehmen lasse derzeit in einer Langzeit-Vergleichsstudie die Wirkung von Pillen, die 20 beziehungsweise 30 Mikrogramm des synthetischen Östrogens Ethinylestradiol enthalten, untersuchen.

Rübig betonte, zu der bis Ende 2001 laufenden Doppelblind-Studie lägen noch keine Ergebnisse vor, auch keine Zwischenergebnisse. Die Studie mit jungen Frauen und zwei niedrig dosierten Antibabypillen sei 1996 gestartet worden, um Effekte aufzuspüren, falls es sie gäbe, sagte Rübig.

„Report“ hatte in einer Vorab-Meldung zu seiner Sendung am Montagabend Manfred Hartard von der Technischen Universität München mit den Worten zitiert: „Die Mädels, die in diesem Alter die Pille nehmen, müssen einfach damit rechnen, dass ihr Knochen beeinflusst wird … und er wird eventuell sogar mehrfach brechen.“ Nach Schering-Angaben hatte das Unternehmen zusammen mit Hartard eine Untersuchung gestartet, nach „Protokollabweichungen“ im Frühjahr die Zusammenarbeit aber abgebrochen.

Die derzeit laufende Schering-Studie wird von dem Berliner Knochenstoffwechsel-Spezialisten Dieter Felsenberg vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin geleitet. „Hypothetisch muss man davon ausgehen, dass in diesem jungen Alter die Knochenentwicklung noch nicht abgeschlossen ist“, sagte der Radiologe Felsenberg laut „Report“. Es sei eher negativ für junge Mädchen, zu früh Gestagen-Östrogen-Kombinationen zu nehmen.

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„Bei geschlechtsreifen Frauen ist das Knochenwachstum im wesentlichen abgeschlossen“, gab Teichmann zu bedenken. Außerdem würden nur 1,3 Prozent der 14-jährigen die Antibabypille nehmen. Jeder Gynäkologe müsse beim Verschreiben die individuelle Situation der Frauen mit berücksichtigen.

Nach Teichmanns Aussage gibt es bislang nur eine Studie aus Pavia (Italien) von 1995, die zum Ergebnis hatte, dass die Knochendichte bei Frauen ohne Antibabypille etwas höher ist. „Das bewegt sich im einstelligen Prozentbereich und hat mit Osteoporose, dem Knochenschwund im Alter, nichts zu tun.“

dpa
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