Antibiotika in diesem Fall überflüssig - wissenschaft.de
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Antibiotika in diesem Fall überflüssig

Antibiotika, die Ärzte häufig zur Behandlung einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung verschreiben, lindern weder Symptome noch die Dauer der Entzündung. Zu diesem Ergebnis kommt eine vergleichende Studie von US-Forschern. Die Einnahme von Antibiotika sei bei den meisten Nasennebenhöhlenentzündungen folglich sinnlos und trage nur zur Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterienstämme bei, sagen Jane Garbutt und ihre Kollegen von der Washington University School of Medicine in St. Louis.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) ist ein ausgesprochen häufiges Gesundheitsproblem des Menschen: Durchschnittlich jeder siebte Deutsche ist einmal pro Jahr von den unangenehmen Beschwerden betroffen. Typische Symptome sind eine verstopfte Nase, Schmerzen im Stirnbereich, über der Nase sowie zwischen und unter den Augen. Oft ist der Auslöser ein Schnupfen, da durch Schwellung der Schleimhäute der Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen behindert wird. Für die Entzündung selbst können jedoch auch Bakterien verantwortlich sein. In diesen Fällen verschreiben Ärzte häufig ein Breitbandantibiotikum namens Amoxicillin.

Allerdings: „Es ist momentan eine Bewegung im Gange, Antibiotika gezielter einzusetzen, also nur dann, wenn sie auch wirklich Aussicht auf Erfolg haben?, sagt Jane Garbutt. ?Unsere Studie sollte nun zeigen, ob der umfangreiche Einsatz von Amoxicillin bei Sinusitis überhaupt Sinn ergibt.? Die Studie umfasste 166 Patienten, die unter einer akuten Bakterien-Infektion der Nasennebenhöhlen litten. Ein Ärzteteam stellte diesen Zustand fest und schloss Personen mit chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen und anderen Erkrankungen von der Studie aus. Die eine Hälfte der Probanden nahm zehn Tage lang das Antibiotikum Amoxicillin ein, die andere dagegen unwissentlich ein wirkstofffreies Scheinmedikament – ein Placebo. Darüber hinaus bekamen alle Teilnehmer die gleichen Medikamente zur Linderung von Schmerzen, Fieber, Nasen-Verstopfung und Husten zur Verfügung gestellt. Die Forscher bewerteten die Symptome der Patienten zu Beginn der Behandlung sowie 3, 7, 10 und 28 Tage danach. Die Teilnehmer füllten außerdem Fragebögen aus, auf denen sie Angaben über ihr Befinden und den Gebrauch der Medikamente zur Linderung der Krankheitssymptome machten.

Keine Wirkung im Vergleich zu Scheinpräparaten

Die Auswertungen der Forscher zeigten, dass die mit Antibiotika behandelten Patienten keinen relevanten Vorteil gegenüber den Vergleichsprobanden besaßen: Bei beiden Gruppen war die Nasennebenhöhlenentzündung meist nach zehn Tagen ausgeheilt oder hatte sich deutlich verbessert. Offenbar konnten die Antibiotika auch die Beschwerden während dieser Zeit nicht lindern: Die Studienteilnehmer beider Gruppen hatten die Medikamente gegen Schmerzen, Fieber, Nasen-Verstopfung und Husten etwa im gleichen Maße benutzt.

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Bei einem normalen Verlauf einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung sollten Patienten auf ihre Selbstheilungskräfte vertrauen und gemeinsam mit dem Arzt beobachten, ob weitere Behandlungen notwendig sind, resümieren die Forscher. Üblicherweise sind die Beschwerden nach etwa ein bis zwei Wochen weitestgehend verschwunden. Statt in dieser Zeit zu Antibiotika wie Amoxicillin zu greifen, empfehlen die Forscher nur die Behandlung der Symptome, wie Schmerzen, Husten und die verstopfte Nase.

Jane Garbutt (Washington University School of Medicine, St. Louis) et al.: JAMA, Vol 307, No. 7 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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