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Antidepressiva-Studien in der Kritik

Antidepressiva gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Einziger Schönheitsfehler: Die meisten Patienten, die Antidepressiva schlucken, dürften bei entsprechenden klinischen Studien nicht teilnehmen. Mark Zimmerman vom Rhode Island Hospital kritisiert in der Märzausgabe des American Journal of Psychiatry die gängige Studienpraxis für antidepressive Wirkstoffe.

Zimmerman und Kollegen untersuchten in einer Studie der Brown University die Ausschlusskriterien bei 31 Antidepressiva-Studien, die zwischen 1994 und 1998 in den fünf wichtigsten Psychiatrie-Journalen publiziert wurden.

Alle Studien beschränkten sich auf Patienten, die ausschließlich an moderater bis schwerer Depression litten. Außen vor blieben Patienten mit psychotischen Eigenschaften, manischen Episoden, Suizidrisiko, vorhergehendem Alkohol- und Drogenmissbrauch oder instabilem medizinischen Befund. Einige Studien schlossen Patienten mit Zwangserkrankungen, Ess- und Angststörungen aus. Alle Studien klammerten Patienten aus, deren Depression einen bestimmten Schweregrad nicht überschritt.

Damit ignorieren klinische Studien 66 bis 85 Prozent der eigentlichen Konsumenten von Antidepressiva. Laut Zimmerman ist ein gewisses Maß an Extrapolation bei diesen Studien notwendig. Jedoch würden die Ausschlusskriterien die Ergebnisse über Gebühr verzerren. Was, wenn Antidepressiva bei einigen der ausgeschlossenen Patientengruppen unwirksam sind? Es wäre ungerechtfertigt, diese Patienten den Nebenwirkungen auszusetzen. Außerdem müssten alternative Behandlungen erwägt werden.

Zimmerman fordert, dass zukünftige Antidepressiva-Studien ein breiteres Spektrum von Patienten einbeziehen.

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Markus Batscheider
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