Antikörper mit Stinkeffekt - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Antikörper mit Stinkeffekt

Mit dem Knoblauchwirkstoff Allicin bewaffnete Antikörper können gezielt Krebszellen abtöten. Das haben israelische Wissenschaftler in einer Studie mit Mäusen herausgefunden, denen menschliche Lymphknotenkrebs-Zellen implantiert worden waren. Drei Tage nach der Verabreichung der bewaffneten Antikörper waren fast alle Krebszellen zerstört.

Allicin kommt natürlicherweise in Knoblauch vor und ist für dessen typischen Geruch verantwortlich. Es bildet sich, wenn die Knoblauchzehe beschädigt wird. Dann reagieren das Enzym Alliinase und ein Stoff namens Alliin miteinander und es entsteht Allicin. Bereits seit vielen Jahren ist bekannt, dass Allicin Zellen abtöten kann. Da es sich jedoch sehr schnell abbaut, geht beim Essen von Knoblauch keine Gefahr aus.

Die Forscher vermuteten, dass frisch an den Krebszellen produziertes Allicin die stärkste Wirkung zeigt und Lymphomkrebszellen gezielt abtöten kann. Da sich Allicin jedoch rasch abbaut und zudem toxisch ist, muss es gezielt an den Ort gebracht werden, an dem es wirken soll. Dazu benutzten die Wissenschaftler einen bestimmten Antikörper, der gezielt Lymphknotenkrebszellen erkennt und an diese andockt. So dient er als Marker für das Immunsystem, welches dann die Krebszellen zerstört.

Die Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass der Antikörper die Krebszellen noch effizienter töten kann, wenn er bewaffnet ist. Dazu hängten sie das Enzym Alliinase an den Antikörper an und spritzten diese Verbindung Mäusen, denen zuvor menschliche Lymphknotenkrebszellen implantiert worden waren. Die Antikörper fanden die Krebszellen rasch und hefteten sich an diese an. Nun injizierten die Forscher den Mäusen das Alliin. Sobald dieses auf die Alliinase traf, wurde es in Allicin umgewandelt, das in die Tumorzellen eindrang und sie abtötete. Nach nur drei Tagen waren zwischen 85 und 96 Prozent der Krebszellen zerstört. Gesunde Zellen hingegen blieben intakt, da die Antikörper sich gezielt an Krebszellen hefteten.

Mit diesem Verfahren soll einmal eine neue und weniger toxische Alternative zur Krebstherapie ermöglicht werden, hoffen die Forscher. Mit Antikörpern, die gezielt bestimmte Zellen erkennen und an sie andocken, könnte jede beliebige Zellpopulation zerstört werden.

Anzeige

David Mirelman et al.: Mitteilung des Weizmann-Instituts, Rehovot

ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

"Wolkenfraß" gibt Rätsel auf

Forscher entdecken neuartigen, seltsam geradlinigen Wolkenschwund vor Afrikas Westküste weiter

Schadet Handystrahlung dem Gedächtnis?

Studie findet Einbußen im figuralen Gedächtnis bei vieltelefonierenden Jugendlichen weiter

Pseudo-Fachjournale auf dem Vormarsch

Mehr als 5.000 deutsche Forscher haben schon in "Predatory Journals" publiziert weiter

Simples Rezept gegen Kurzsichtigkeit?

Invertierter Text könnte das lesebedingte Augapfel-Wachstum hemmen weiter

Wissenschaftslexikon

Ja|de|it  〈m. 1; unz.; Min.〉 zart grünliches, dichtes Augitmineral

hy|per|kri|tisch  〈Adj.〉 übertrieben kritisch [<grch. hyper ... mehr

Yak  〈m. 6; Zool.〉 = Jak

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige