Artenfund im Hinterhof - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Artenfund im Hinterhof

Strumigenys ananeotes
So sieht die neuentdeckte Ameisenart Strumigenys ananeotes aus. (Bild: Jack Longino/ University of Utah)

Neue Tierarten lassen sich nicht nur in entlegenen Gebieten entdecken – das geht selbst im eigenen Hinterhof, wie ein US-Biologe jetzt festgestellt hat. Denn eine zufällig in seinem Hinterhofgarten mitten in Salt Lake City gefundene Ameise entpuppte sich als eine neue, zuvor unbekannte Spezies. Noch überraschender aber: Diese Ameisenart war nicht etwa eingewandert oder eingeschleppt. Sie muss schon immer in Utah gelebt haben – buchstäblich unter den Augen der Stadtbewohner.

Obwohl wir Menschen inzwischen nahezu alle Lebensräume besiedelt haben, sind uns längst nicht alle Mitbewohner unseres Planeten bekannt – im Gegenteil. Jedes Jahr werden mehrere tausend zuvor unbekannter Spezies von Tieren, Pflanzen oder Mikroben neuentdeckt. Viele davon sogar in vermeintlich längst erkundeten Gebieten. Forscher gehen davon aus, dass weltweit noch mindestens zehn Millionen Arten auf ihre Entdeckung warten – fünf Mal so viele wie bisher bekannt und beschrieben sind.

Eine neue Ameisenart

Jack Longino von der University of Utah ist Experte für exotische Ameisenarten und hat schon fast die ganze Welt auf der Suche nach neuen Ameisenarten bereist. Umso überraschender ist daher der Fund, den der Biologe vor kurzem in seinem eigenen Hinterhofgarten mitten in der Großstadt Salt Lake City machte. „Stadtzentren sind nicht gerade der Ort, an dem man erwartet, eine neue Art zu finden“, sagt er. Doch als der Biologe im August 2018 kurz nach Sonnenuntergang in seinen Garten trat, fielen ihm einige Ameisen auf, die ungewöhnlich aussahen: Auf den ersten Blick erinnerten ihn diese Insekten an Spezies, die aus den Tropen und aus Wäldern im Osten der USA kannte.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, suchte Longino am nächsten Tag erneut nach diesen Ameisen und grub einige davon aus dem Boden aus, um sie näher zu untersuchen. Die Analysen enthüllten, dass es sich um eine ganz neue Ameisenart handelte, die er Strumigenys ananeotes taufte. Dieses Insekt gehört zu einer Verwandtschaftsgruppe, die bisher nur aus den feuchten Tropen und Subtropen bekannt war und von der es nur extrem wenige, seltene Vertreter auch im Süden Arizonas sowie weit im Osten der USA gibt – beides hunderte von Kilometern entfernt von Salt Lake City.

Vom Menschen profitiert

Der erste Verdacht des Biologen war daher, dass diese neue Ameisenart eingeschleppt worden sein muss – möglicherweise aus den Tropen. Doch die Merkmale der Ameisenart und ihre Abstammung passten nicht ins Bild. Wie Longino und sein Kollege Douglas Booher feststellten, muss diese Ameise stattdessen schon seit Jahrhunderten in Utah heimisch sein. Wie aber konnte sie dann so lange der Entdeckung entgehen? Die Forscher vermuten, dass diese Ameisenart lange Zeit vorwiegend unterirdisch lebte, um sich in feuchten Höhlen und Gängen vor dem rauen, trockenen Klima Utahs zu schützen.

Anzeige

Das änderte sich erst, als der Mensch vor rund 150 Jahren damit begann, immer mehr Bewässerungslandwirtschaft zu betreiben und auch die Parks und Gärten in den Städten bewässert wurden. Im Laufe der Zeit veränderte dies Vegetation und Mikroklima am Boden so stark, dass sich Strumigenys ananeotes inzwischen auch an die Erdoberfläche wagt. „Erst die anthropogenen Aktivitäten haben einen urbanen Baumbewuchs ermöglicht, der im Sommer den Laubwäldern im Osten der USA ähnelt“, so Longino und Booher. Dadurch konnte die Ameise ihr Habitat auch auf die Bodenoberfläche ausdehnen. “ Strumigenys ananeotes ist damit der seltene Fall einer heimischen Art, die von der menschlichen Entwicklung profitiert hat, statt von ihr verdrängt zu werden.“

Quelle: University of Utah; Fachartikel: Western North American Naturalist Vol. 79, No. 4, Article 3

Anzeige

natur | Aktuelles Heft

Aktueller Buchtipp

natur-Sonderausgabe 2019

Landwirtschaft 4.0
Wie Technik, Tierschutz und Bio-Standards eine Branche verändern

Anzeige

Grünstoff – der Medientipp des Monats

Wissenschaftslexikon

Ge|richts|as|ses|sor  〈m. 23; Rechtsw.〉 Jurist des staatl. höheren Justizdienstes nach der zweiten staatl. Prüfung

Re|per|kus|si|ons|ton  〈m. 1u; Mus.〉 durchlaufend wiederholter Ton des Mittelteils der Sprech– od. Gesangsmelodie beim Vortrag von Psalmen

sos|te|nu|to  〈Mus.〉 gehalten, breit getragen, mit vollen, gebundenen Tönen (zu spielen) [ital., Part. Perf. von sostenere ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige