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Umwelt+Natur

Arzt im Schafspelz

Kranke Schafe können sich gezielt die Medizin aussuchen, die ihr Leiden am besten heilt. Das haben amerikanische Wissenschaftler in Experimenten mit den Tieren gezeigt. Die Forscher setzten Schafe milden Giftstoffen aus und boten ihnen dann drei verschiedene Medikamente zur Behandlung an, von denen eines die Tiere wieder gesund machte. Daraufhin wählten die Schafe auch noch fünf Monate später bei denselben Symptomen gezielt das Mittel aus, das sie beim ersten Test geheilt hatte.

Von Affen gibt es bereits zahlreiche anekdotische Berichte, nach denen sich Primaten bei Krankheit gezielt bestimmte Pflanzen und Kräuter zur Heilung aussuchen und diese fressen. Experimentell untersucht haben Wissenschaftler dieses Verhalten jedoch noch nicht. Ähnliche Verhaltensweise gibt es jedoch selbst bei deutlich weniger intelligenten Tieren wie Schafen, konnten Juan Villalba von der Staatsuniversität von Ohio in Logan und seine Kollegen nun zeigen.

Die Forscher verglichen dazu das Verhalten zweier Gruppen von Tieren miteinander, die beide schwer verträgliche Getreidekörner oder schwach giftig wirkende Tannine oder Oxalsäure gefressen hatten. Die eine Gruppe bekam darauf nacheinander drei Substanzen, von denen eine den Zustand bei den jeweiligen Symptomen entscheidend verbesserte. Die Tiere der zweiten Gruppe erhielten zwar diese Substanzen auch, jedoch so viel später, dass sie keinen Zusammenhang zwischen Erkrankung und Behandlung erkennen konnten. Lösen die Forscher bei den Tieren mit den Körnern oder den Giften anschließend wieder dieselben Symptome aus und boten den Schafen die drei Medikamente erneut an, wählte nur die erste Gruppe das richtige Mittel aus.

Trotz ihres Images als wenig intelligente Tiere zeigten die Experimente doch, wie gut sich Schafe an den stetigen Wandel in ihrer Umwelt anpassen könnten, erklären die Forscher. Wenn „dumm“ eine Unfähigkeit bedeute, aus früheren Erlebnissen Konsequenzen zu ziehen, dann seien Schafe insgesamt gesehen durchaus nicht dumm, so Villalba.

New Scientist, 29. April, S. 19 Originalarbeit der Forscher: Juan Villalba (Utah State University) et al.: Animal Behaviour, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.anbehav.2005.09.012 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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