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Umwelt+Natur

Auch bei Vögeln gibt es Schweiger und Schwätzer

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Eine männliche Singammer (Melospiza melodia) schwirrt drohend mit ihrem Flügel (Çağlar Akçay)
Bei uns Menschen kennen wir das: Es gibt Typen, die klopfen zwar aggressive Sprüche, tun dann aber nicht viel. Und es gibt diejenigen, die still vor sich hin kochen, um dann plötzlich auszubrechen. Diese individuellen Unterschiede in der Kommunikation haben US-Forscher nun erstmals auch bei Tieren festgestellt: Bei Männchen der nordamerikanischen Singammer gibt es ebenfalls aggressive Schweiger und Männchen, die ihrer Aggression mit lauten Drohungen Luft machen.

Wie jeder Hunde- oder Katzenbesitzer bezeugen kann, gibt es auch bei Tieren ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Einige sind mutiger und aggressiver, andere eher schüchtern oder einfach phlegmatisch. Auch viele Studien belegen die Existenz solcher individueller Unterschiede bei Arten vom Insekt zum Primaten. Unklar blieb aber bisher, welche Rolle die Persönlichkeit für die Kommunikation der Tiere spielt: Löst ein gewisses Niveau an Aggression automatisch entsprechende Signale wie Knurren, Drohgebärden oder einen Angriff aus, so dass ein aggressiveres Tier auch entsprechend häufiger droht? Oder gibt es auch hier individuelle Unterschiede ähnlich wie bei uns Menschen? Das würde bedeuten, dass Aggressionssignale von Tieren weniger verlässlich sein könnten als bisher angenommen.

Çağlar Akçay und seine Kollegen von der University of Washington in Seattle haben diese Frage nun an Singammern (Melospiza melodia), einer nordamerikanischen Singvogelart, näher untersucht. Für ihre Studie beobachteten sie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren das Aggressionsverhalten von 69 Singammer-Männchen, die in einem Park in Seattle ihre Territorien hatten. Dabei spielten sie diesen jeweils den eigenen Gesang mittels Lautsprecher vor und beobachteten, wie die Vögel reagierten. Da der Gesang eines vermeintlich anderen Männchens eine Herausforderung bedeutet, löst dies bei den Revierbesitzern normalerweise Drohreaktion aus: Sie beginnen ihrerseits täuschend sanfte, aber drohend gemeinte Gesänge, wippen mit einem ihrer Flügel und fliegen schließlich auf den vermeintlichen Eindringling zu, um ihn anzugreifen.

Angriff ohne Vorwarnung

Wie sich zeigte, waren die Revierbesitzer nicht nur unterschiedlich aggressiv, sie unterschieden sich auch darin, wie deutlich sie ihr Aggressionsniveau zu Ausdruck brachten. Einige drohten intensiv und zeigten dem vermeintlichen Eindringling sehr klar, dass er zu verschwinden habe. Andere Singammer-Männchen aber blieben zunächst relativ ruhig, griffen dann aber fast ohne Vorwarnung an. „Die starken ruhige Typen sind dabei genauso durchsetzungsfähig wie ihre deutlich signalisierenden Artgenossen, sie zeigen ihre aggressiven Intentionen nur nicht so klar“, erklärt Koautor Michael Beecher. Umgekehrt beobachteten die Forscher auch Vögel, die zwar lauthals drohten, aber dann den vermeintlichen Eindringling doch nicht angriffen.

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„Dieses Ergebnis zeigt zum ersten Mal bei einem Wildtier, dass individuelle Unterschiede in der Persönlichkeit auch mit verschiedenen Kommunikationsweisen verknüpft sind“, sagt Akçay. Bei gleichem Aggressionsniveau seien einige Vogelmännchen offenbar kommunikativer als andere. Und wie der zweite Durchgang des Experiments ein Jahr später zeigte, blieben sich die einzelnen Vogelmännchen dabei treu: Diejenigen, die im Vorjahr zu den aggressiven Schweigern gehört hatten, drohten auch im Folgejahr wieder nur wenig, bevor sie angriffen. Das belege, dass diese Kommunikations-Unterschiede persönlichkeitsbedingt seien und damit für das einzelne Tier dauerhaft charakteristisch, so die Forscher.

Nach Ansicht der Wissenschaftler deutet ihre Studie darauf hin, dass die Kommunikation von Tieren weitaus weniger stereotyp ablaufen könnte als angenommen. „Diese neue Dimension der Persönlichkeit könnte auch bei Signalen in anderen Zusammenhängen, wie der Werbung um ein Weibchen oder der Warnung vor Feinden eine Rolle spielen“, meint Akçay. Ob es auch dabei kommunikativere und unkommunikativere Typen gibt, wollen die Forscher nun in weiteren Experimenten herausfinden.

 

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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