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Auch Delfine quietschen vor Freude

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Delfine können offenbar auch so etwas wie Freude empfinden (Foto: thinkstock)
Wenn Kinder eine freudige Überraschung erleben, quietschen sie oft vor Begeisterung und Freude. Auch Hunde und einige andere Landsäugetiere geben solche Laute als unwillkürlichen Ausdruck ihres Wohlgefühls von sich. Jetzt zeigen Beobachtungen an Walen und Delfinen: Auch die Meeressäuger quietschen und knattern, wenn sie einen Fisch fangen, aber auch wenn sie eine Belohnung erwarten. Experimente von US-Forschern legen nahe, dass sie dabei echte Freude empfinden. Ähnlich wie bei uns Menschen werden die Freudenquietscher wahrscheinlich von einer Ausschüttung des „Glückshormons“ Dopamin im Belohnungssystem des Gehirns ausgelöst.

Der Meeresbiologe Sam Ridgway von der National Marine Mammal Foundation in San Diego hat einen Großteil seines Lebens mit Walen und Delfinen verbracht. Seit fünf Jahrzehnten erforscht er das Verhalten der Meeressäuger sowohl im freien Ozean als auch in Gefangenschaft. Ein Teil seiner Arbeit bestand darin, Große Tümmler ( Tursiops truncatus) und Belugas ( Delphinapterus leucas) auf bestimmte Aufgaben hin zu trainieren. Als Belohnung erhielten die Tiere dabei zunächst Fisch, später vermittelte ihnen ein Pfiff oder anderes Tonsignal, dass sie die Aufgabe richtig gelöst hatten und dafür später eine Belohnung erhalten würden. Dem Forscher fiel dabei auf, dass die Delfine und Wale immer eine Art Quietschen von sich gaben, wenn sie den Fisch erhielten. „Wir tauften diese gepulsten Töne ‚Siegesquietscher‘, weil sie uns an die Freudenrufe von Kindern erinnerten“, erklärt Ridgway.

Die große Frage war jedoch, ob die Meeressäuger bei diesen Siegesquietschern tatsächlich Freude empfanden. Sind diese Laute tatsächlich mit den unwillkürlichen  Freudenschreien von Menschen und einigen anderen Säugetieren vergleichbar? Bisher galten die auch von anderen Walarten bekannten Laute eher als Futterruf, mit dem Artgenossen auf die lohnende Beute aufmerksam gemacht werden sollten. Doch Ridgway und seine Kollegen hatten eine andere Hypothese: „Wir glauben, dass die Futterquietscher mehrere Funktionen bei den Meeressäugern erfüllen“, sagen sie. In erster Linie sind diese Laute demnach wie bei uns ein Ausdruck freudiger Gefühle. Dass das Quietschen auch Artgenossen über ihren Jagderfolg informiert, ist ihrer Ansicht nach eher eine  Nebenwirkung.

Quietschen auch aus Vorfreude

Um ihre Hypothese zu überprüfen, führten die Forscher eine Reihe von Experimenten mit zwölf Delfinen und zwei Belugas durch. In einer Testreihe untersuchten sie, ob die Meeressäuger diese Quietschrufe auch dann ausstießen, wenn sie den Belohnungsfisch nicht direkt erhielten, sondern zunächst nur ein Pfiff ihnen anzeigte, dass sie ihre Aufgabe gelöst und damit später eine Belohnung verdient hatten. Der Hintergrund: Versuche mit Ratten zeigen, dass diese in ähnlichen Situationen eine Art Vorfreude auf die Belohnung empfinden. Ausgelöst wird diese durch eine Ausschüttung des „Glückshormons“ Dopamin im Belohnungssystem des Gehirns – ähnlich wie beim Empfang der Belohnung selbst. Sollten die Quietscher bei den Delfinen und Walen auch mit einem solchen Glücksgefühl verbunden sein, müsste auch die Vorfreude, das Wissen um die baldige Belohnung, schon ausreichen, um einen Siegesquietscher hervorzurufen.

Und tatsächlich: Die Delfine und Belugas begannen im Laufe des Trainings, nicht mehr nur beim Fischfressen zu quietschen, sondern auch schon beim Belohnungspfiff ihres Trainers. Auch die zeitliche Verzögerung zwischen Pfiff oder Fisch und Quietschen passte gut zum Dopamin-Szenario, wie Ridgway erklärt. Denn typischerweise dauert es rund 100 Millisekunden, bis das Glückshormon freigesetzt ist und die Freudenreaktion hervorruft. Ein dadurch ausgelöster Quietscher hat dadurch gegenüber vielen angelernten Reaktionen eine winzige Verzögerung. Wie sich in den Experimenten zeigte, erfolgte der Siegesquietscher bei den Delfinen mit 150 Millisekunden Verspätung, bei den Belugas mit durchschnittliche 250 Millisekunden.

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„Kontext und Timing sprechen dafür, dass die Siegesquietscher Ausdruck einer Belohnungserwartung sind – und dass sie durchaus emotionalen Gehalt besitzen“, konstatieren die Forscher. Delfine und Wale sind damit nicht nur sehr soziale und intelligente Tiere, sie sind uns auch in ihrem unwillkürlichen Empfinden von Freude und Vorfreude ähnlicher als lange gedacht.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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