Auch die RNA beeinflusst die Vererbung - wissenschaft.de
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Auch die RNA beeinflusst die Vererbung

Für Mäuse gelten die berühmten Mendelschen Gesetze nicht immer, haben französische Forscher entdeckt. Sie züchteten Mäuse mit weißen Flecken auf ihren Schwänzen, obwohl die dafür zuständige Genvariante schon vor Generationen nicht mehr weitervererbt worden war. Die Erbinformation für die gefleckten Schwänze müsse daher mittels der so genannten RNA an die Nachkommen weitergegeben worden sein, erklären die Wissenschaftler. Die RNA ist kein Träger des eigentlichen Erbguts DNA, sondern nur dessen Abschrift und dient dazu, Erbgutinformationen in Eiweiße zu übersetzen.

Nach der Mendelschen Vererbungslehre erhalten die Nachkommen jeweils die exakte Genkombination ihrer Eltern: Eine auch Allel genannte Genvariante stammt von der Mutter, die andere vom Vater. Wenn eine Genkopie beschädigt ist, kann oft das andere, normale Allel eine negative Auswirkung dieses Defekts verhindern, denn normalerweise arbeiten die beiden Allele unabhängig voneinander. Manchmal aber beeinflussen sie sich gegenseitig. So kommt es etwa vor, dass Befehle eines Allels noch Generationen später ausgeführt werden ? selbst wenn das kommandierende Allel nicht weitervererbt worden ist. Wie sich Gene daran erinnern, welche Befehle ihre Partner in vorhergehenden Generationen erteilt haben, war den Experten bisher nicht klar. Minoo Rassoulzadegan und sein Team konnten nun zeigen, dass dabei die Ribonukleinsäure (RNA) eine Rolle spielen könnte.

Die RNA ist eine exakte Abschrift der Desoxyribonukleinsäure (DNA) und dient dazu, die genetische Information, die auf der DNA gespeichert ist, in Proteine zu übersetzen. Normalerweise wird die Erbinformation nur in Form der DNA an die nächste Generation weitervererbt. Rassoulzadegan und seine Kollegen stellten nun jedoch fest, dass zumindest bei Mäusen auch RNA als Träger der genetischen Information dienen kann. Die Forscher untersuchten Mäuse mit einer veränderten Version des Gens „Kit?. Diese Tiere zeichnen sich im Gegensatz zu ihren Artgenossen durch weiße Punkte auf ihren Schwänzen und einer geringeren Aktivität des Kit-Gens aus. Als die Forscher die Mäuse mit Tieren kreuzten, die zwei normale Kit-Allele hatten, zeigten die Nachkommen die gleichen Merkmale wie ihre Eltern mit der veränderten Kit-Variante ? selbst wenn sie zwei normale Kit-Allele geerbt hatten. Zudem gab es in den Vorgängerzellen der Spermien männlicher Jungtiere besonders viele RNA-Moleküle.

Es sei möglich, so Rassoulzadegan, dass diese RNA bei der Befruchtung in die nächste Generation übertragen werde und zu den weißgefleckten Schwänzen führe. Tatsächlich entwickelten sich denn auch aus befruchteten Eiern, in welche die Forscher veränderte Kit-RNA gespritzt hatten, viele Jungtiere mit weißen Flecken auf den Schwänzen, die später Nachkommen mit ebenfalls weißen Flecken auf den Schwänzen warfen. Laut den Wissenschaftlern legen die RNA-Moleküle, die sich in den Spermien ansammeln, in den nachfolgenden Generationen die normale Aktivität des Kit-Gens durch die so genannte RNA-Interferenz still, weshalb es zur Ausbildung von weißgefleckten Schwänzen komme.

Minoo Rassoulzadegan ( Université de Nice Sophia Antipolis, Nizza) et al.: Nature (Bd. 441, S. 469) ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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