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Umwelt+Natur

Auch Katzen brauchen ihre Besitzer

Katzen gelten als unabhängige Tiere - doch auch sie können eine erstaunlich tiefe Bindung zu ihren Besitzern entwickeln. (Bild: NiseriN/ istock)

Katzen sind die unangefochtenen Lieblingshaustiere der Deutschen – sie liegen in unserer Gunst noch vor dem Hund. Vor allem Menschen mit langen Arbeitszeiten schätzen dabei die Unabhängigkeit dieser Tiere. So sind die Stubentiger meist weniger anhänglich und gehen selbständiger durchs Leben als Hunde. Trotzdem bauen auch Katzen erstaunlich enge Bindungen zu „ihren“ Menschen auf: Wie Experimente enthüllen, scheint der Besitzer für die meisten Hauskatzen eine wichtige Bezugsperson zu sein. In ungewohnten Situationen dient er ihnen demnach als ein Sicherheit bietender Anker und kann die Tiere allein durch seine Anwesenheit beruhigen.

Katzen gelten als intelligent, willensstark und vor allem unabhängig. Die ihren wilden Vorfahren genetisch noch sehr ähnlichen Stubentiger haben den Ruf, gerne ihrer eigenen Wege zu gehen und ihren Besitzern gegenüber nicht besonders anhänglich zu sein – ganz anders als die sehr auf ihre menschliche Bezugsperson fixierten Hunde. Aber sind Katzen wirklich beziehungsunfähige Haustiere oder können sie womöglich doch tiefere Bindungen zu „ihren“ Menschen eingehen als gemeinhin angenommen? Immerhin deuten Studien darauf hin, dass es durchaus gesellige Samtpfoten gibt und viele Hauskatzen sogar auf ihren Namen hören. „Es könnte sein, dass wir die sozialen Fähigkeiten der Katzen unterschätzen“, erklären Kristyn Vitale von der Oregon State University in Corvallis und ihre Kollegen.

Von wegen distanziert

Um mehr über die Beziehung zwischen Katze und Mensch herauszufinden, haben die Wissenschaftler einen standardisierten Test genutzt, mit dem normalerweise das Verhältnis zwischen Kleinkindern oder Hunden und ihrer wichtigsten Bezugsperson untersucht wird. Dabei werden beide zunächst zusammen einer ungewohnten Umgebung ausgesetzt. Anschließend verlässt das Elternteil oder der Besitzer den Raum und kehrt nach kurzer Zeit zurück. Die Reaktion beim Wiedersehen verrät sehr viel über die Art der Beziehung: In den meisten Fällen zeichnet sich ab, dass bei Kindern die Eltern und bei Haushunden der Besitzer wie ein Zufluchtsort fungieren, der Orientierung und Sicherheit in der ungewohnten Situation gibt.

Die Katzenversion des Tests führten die Forscher sowohl mit Jungtieren als auch mit ausgewachsenen Hauskatzen durch. Dabei beobachteten sie, wie sich die Stubentiger bei der Trennung verhielten und was sie taten, als ihr Besitzer zurückkam. Auf Basis dieser Beobachtungen ordneten sie die Tiere unterschiedlichen Bindungstypen zu. Das überraschende Ergebnis: Von 70 jungen Katzen zeigten 64,3 Prozent Anzeichen für eine sichere und gefestigte Bindung. Diese Tiere waren in Abwesenheit ihrer Betreuer sichtbar gestresst und miauten zum Beispiel viel. Nach der Wiedervereinigung entspannten sie sich dagegen sofort wieder – dies wurde etwa dadurch deutlich, dass sie aufhörten zu miauen und neugierig den Raum erkundeten. Bei Tieren mit einer distanzierten oder ambivalenten Beziehung änderte sich das Stresslevel durch die Anwesenheit des Betreuers dagegen kaum.

Soziale Generalisten

Im Versuch mit 38 älteren Katzen ergab sich ein vergleichbares Bild: Mit 65,8 Prozent war in diesem Durchgang ein ähnlich großer Anteil der Tiere eng mit ihrem Besitzer verbunden, wie das Team berichtet. Interessanterweise entspreche diese Zahl ungefähr auch dem Anteil der Kleinkinder, die in solchen Tests eine sichere Bindung zu ihrer Bezugsperson zeigen. „Katzen ohne diese enge Bindung rennen oft weg und wirken distanziert – ein Verhalten, das lange Zeit als typisch für alle Katzen galt“, konstatiert Vitale. „Doch die meisten Hauskatzen haben eine tiefe Bindung zu ihren Besitzern und nutzen sie als Quelle der Sicherheit in ungewohnten Situationen.“ Damit scheint klar: Nicht nur Hunde, sondern auch Stubentiger sind soziale Generalisten. Sie können nicht nur soziale Bindungen zu Artgenossen eingehen, sondern auch zu Individuen anderer Spezies. „Die Bindung zum Menschen könnte eine flexible Anpassung sein, die den Katzen den Erfolg in anthropogenen Umgebungen erleichtert hat“, erklären die Forscher.

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Quelle: Kristyn Vitale (Oregon State University, Corvallis) et al., Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2019.08.036

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