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Umwelt+Natur

Auch Vögel richten sich nach dem Tempolimit

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Achtet auf die Autos: Krähe auf der Straße (thinkstock)
Der Straßenverkehr ist für Vögel alles andere als ungefährlich: Passen sie beim Futtersuchen auf dem Asphalt nicht auf, werden sie überfahren, bevor sie auffliegen können. Aber die meisten von ihnen haben die Verkehrsregeln längst durchschaut, wie kanadische Forscher jetzt herausfanden: An Straßen mit vorgeschriebenem Tempo 50 ergreifen sie erst deutlich später die Flucht als auf Straßen mit schneller fließendem Verkehr. Erstaunlich daran: Das Timing dieser Reaktion hängt nicht vom individuellen Tempo der Autos ab, sondern von der an diesem Straßenstück vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzung.

Vögel sind Anpassungskünstler: Leben sie in der Großstadt, verändern sie ihr Verhalten, um in der neuen, vom Menschen geprägten Umgebung besser überleben zu können. So zeigten Studien beispielsweise, dass Stadtvögel an großen Straßen lauter und höher singen als im ruhigen Vorort. Stadttauben und -amseln haben zudem eine kürzere Fluchtdistanz: Sie lassen Menschen näher an sich heran kommen, bevor sie auffliegen. Aber in der Stadt und auch in ihrem Umfeld lauert eine weitere Gefahr: Straßen. Für viele Tiere werden sie zur tödlichen Falle, weil diese die Bedrohung durch die heranrasenden Autos nicht erkennen und nicht schnell genug fliehen. „Ob und wie Vögel sich an diese Gefahr anpassen, war bisher unbekannt“, erklären Pierre Legagneux von der Université du Quebec in Rimouski und Simon Ducatez von der McGill University in Montreal.

Praxistest am Straßenrand

Die Forscher beschlossen daher, dies bei einem Forschungsaufenthalt in Frankreich zu testen. Ihre Hypothese dabei: „Weil sich die Kollisionsgefahr mit der Geschwindigkeit der Autos erhöht, würden wir erwarten, dass die Vögel auch ihre Fluchtdistanz entsprechend anpassen“, erklären die Wissenschaftler. Denn je schneller die Autos heranrasen, desto weniger Zeit bleibt den Tieren, sich durch Auffliegen in Sicherheit zu bringen. Sinnvoll wäre es daher, wenn die Vögel bei schnellem Verkehr sehr viel früher flüchten als bei langsamem. Um diese Hypothese zu überprüfen, ermittelten die Forscher die Fluchtdistanz von Vögeln an vier Straßenabschnitten in Westfrankreich mit jeweils unterschiedlichem Tempolimit – 20, 50, 90 und 110 Kilometer pro Stunde.

„Theoretisch gibt es aber zwei Möglichkeiten, wie die Vögel das Risiko einschätzen und ihre Fluchtdistanz anpassen können“, sagen die Forscher. Zum einen könnten sie für jedes Auto einzeln die Gefahr ermitteln und ihr Verhalten entsprechend verändern. Zum anderen aber könnten sie gelernt haben, dass der Verkehr auf einem bestimmten Straßenstück immer mit etwa der gleichen Geschwindigkeit fließt – weil es eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt. Dann wäre dieses Tempolimit quasi ihre Richtschnur für die Fluchtdistanz. Um herauszufinden, welche Strategie die Vögel möglicherweise verwenden, machten die Forscher ihr eigenes Auto zu Testobjekt. Sie fuhren auf den untersuchten Streckenabschnitten absichtlich mal langsamer, mal schneller als das Tempolimit es vorgab. Auch dabei beobachteten sie, wie nah die Vögel das Fahrzeug herankommen ließen, bevor sie aufflogen.

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Tempolimit als Richtwert

Die Auswertung von 134 Messungen bei verschiedenen Vogelarten, darunter Krähen, Spatzen und Amseln, ergab: Vögel in Straßennähe haben ihre Fluchtdistanz tatsächlich an den Verkehr angepasst. „An Straßenabschnitten mit höherem Tempo hatten die Vögel eine signifikant größere Fluchtdistanz als an langsamen“, berichten Legagneux und Ducatez. Besonders schnell reagierten dabei die Tiere, die nicht am Straßenrand, sondern mitten auf der Straße standen. Allerdings: Wie schnell dabei ein einzelnes Auto fuhr, war offenbar egal. Rasten die Forscher auf einer Tempo 50 Straße mit extrem überhöhter Geschwindigkeit, flogen die Vögel trotzdem nicht schneller auf als bei den vorschriftsmäßig mit 50 fahrenden. „Das zeigt, dass die Vögel ihre Fluchtdistanz nicht an das individuelle Tempo der Autos anpassen, sondern an das an diesem Abschnitt herrschende Tempolimit“, konstatieren die Forscher. Wer also zu schnell fährt, gefährdet nicht nur andere Autofahrer, sondern auch Vögel. Denn sie rechnen nicht mit Rasern und ergreifen daher zu spät die Flucht.

Ob die Vögel aber tatsächlich gelernt haben, das Tempolimit abzuschätzen, muss noch weiter untersucht werden, räumen die Forscher ein. Denn rein theoretisch wäre auch denkbar, dass einfach die natürliche Selektion im Spiel war: Die Vögel, deren Fluchtdistanz nicht an das lokale Verkehrstempo angepasst ist, sterben häufiger. Dadurch bleiben die übrig, deren Distanz besser passt. Allerdings halten die Wissenschaftler diese Erklärung in diesem Fall für eher unwahrscheinlich, weil nicht nur ortstreue Vögel sich nach dem Tempolimit richteten, sondern auch Vögel, in deren Verbreitungsgebiet ganz unterschiedliche Straßen vorkamen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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due  〈[due] Mus.〉 = a due

Nacht|nel|ke  〈f. 19; Bot.〉 an Hecken, Wegrändern u. Gebüschen häufige Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse mit röhrigem bis bauchigem Kelch u. sich abends öffnender weißer Blumenkrone: Melandrium

Lieb|lings|fach  〈n. 12u〉 Fach (in der Schule), das man am liebsten hat ● Biologie ist sein ~

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