Auf dem Weg zur Parkinsonimpfung - wissenschaft.de
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Auf dem Weg zur Parkinsonimpfung

Amerikanischen Forschern ist bei Mäusen erstmals eine Impfung gegen Parkinson gelungen: Als Reaktion auf die Injektion eines Proteins namens alpha-Synuclein bildeten die Tiere Antikörper, welche die für Parkinson typischen Ablagerungen im Gehirn auflösten. Alpha-Synuclein ist der Hauptbestandteil der Eiweißklumpen, die bei Parkinson-Patienten die klassischen Bewegungsstörungen verursachen. Nach Ansicht der Forscher ist die Impfung in ihrer jetzigen Form jedoch wahrscheinlich nicht für die Anwendung beim Menschen geeignet, sondern bildet lediglich die Grundlage für die weitere Entwicklung.

Ähnlich wie beta-Amyloid in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten kommt auch alpha-Synuclein in einer normalen und einer falsch gefalteten Variante vor. Diese veränderte Form bildet zusammen mit anderen Proteinen die so genannten Lewy-Körperchen, die sich an den Hüllen und den Fortsätzen von Nervenzellen im Gehirn ablagern. Die Folge: Die Neuronen können keine Signale mehr senden oder empfangen und sterben ab. Das kann nicht nur zu Parkinson mit der typischen Schüttellähmung führen, sondern auch zu einer speziellen Form des geistigen Verfalls, der so genannten Lewy-Body-Demenz.

Bereits in mehreren Studien wurde gezeigt, dass Immuntherapien beim Auflösen von Proteinverklumpungen ? beispielsweise bei Prionenerkrankungen, Alzheimer und Chorea Huntington ? helfen können. Diese Strategie funktioniert grundsätzlich offenbar auch bei Parkinson, konnten Masliah und seine Kollegen nun nachweisen. Die Forscher spritzten genetisch veränderten Mäusen, die zur Entwicklung einer parkinsonähnlichen Erkrankung neigten, mehrere Dosen alpha-Synuclein. Die Antikörper, die die Mäuse als Reaktion auf diese Impfung bildeten, griffen gezielt die falsch gefaltete Synuclein-Variante im Gehirn an. Dadurch wurde nicht nur die Bildung neuer Ablagerungen verhindert, sondern auch bestehende Verklumpungen teilweise wieder aufgelöst.

Eine solche aktive Impfung sei jedoch für die Anwendung beim Menschen ungeeignet, da sie wahrscheinlich zu einer heftigen Entzündungsreaktion führen würde, warnen die Forscher. Sie arbeiten momentan an einer passiven Impfvariante, bei der direkt fertige Synuclein-Antikörper gespritzt werden, so dass das eigene Immunsystem nicht belastet wird. Eine solche Impfung könnte dann in Zukunft möglicherweise auch beim Menschen eingesetzt werden.

Eliezer Masliah ( Universität von Kalifornien, San Diego) et al.: Neuron, Bd. 46, S. 857

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