Aus dem Gedächtnis gezeichnet - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Aus dem Gedächtnis gezeichnet

Rhesusaffen sind zu abstrakten Gedächtnisleistungen fähig, ähnlich wie der Mensch. Das schließen zwei US-Forscher aus Verhaltens-Experimenten mit Versuchstieren. Die Affen können sich demnach an Formen aktiv erinnern und sie in simpler Weise an einem Computerbildschirm reproduzieren. Diese Leistung entspricht im Ansatz einer Fähigkeit, die bislang als typisch menschlich galt: Gesehenes, beispielsweise das eigene Wohnhaus, aus dem Gedächtnis zeichnen zu können. Diese Form des Erinnerungsvermögens ist komplexer als das bloße Wiedererkennen des Gebäudes auf einem Foto. Bisher war nur diese simplere Art der Gedächtnisleistung von Tieren bekannt. Benjamin Basile und Robert Hampton von der Emory University in Atlanta zufolge legen die aktuellen Ergebnisse nun nahe, dass die Fähigkeit zu abstrakten Gedächtnisleistungen tiefe Wurzeln im Stammbaum des Menschen hat.

Für ihre Experimente brachten die Forscher fünf Rhesusaffen den Umgang mit einem interaktiven Computerbildschirm bei. Auf dem Touchscreen war stets ein Raster aus Quadraten zu sehen. Wenn das Versuchstier eines der Quadrate berührte, wurde es farbig. Aus der Summe der aktivierten Quadrate ergaben sich so Gebilde mit bestimmtem Muster. Eine spezielle Form aus drei Quadraten verknüpften die Forscher nun mit Futter: Wenn das Gebilde erschien, gab es eine Belohnung für den Affen. Diese Verknüpfung begriffen die Tiere sehr schnell ? sie erinnerten sich also an die Form. Nun gingen die Wissenschaftler zu ihrer eigentlichen Forschungsfrage über: Sie präsentierten den Tieren ein einzelnes farbiges Quadrat auf dem Bildschirm und beobachteten das Verhalten. Um das Futtersymbol auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen, ?zeichneten? die Tiere es nun tatsächlich durch die Berührung der fehlenden Kästchen nach. Sie waren also in der Lage, die Form aus dem Gedächtnis heraus zu reproduzieren, schließen Basile und Hampton.

Diese Hirnleistung ist demnach nicht an die Sprachfähigkeit des Menschen gebunden, wie einige Experten bisher angenommen hatten. Den Forschern zufolge haben Mensch und Rhesusaffe einen gemeinsamen Vorfahren, der etwa vor 30 Millionen Jahren lebte. Schon dieses Wesen hatte offenbar die Fähigkeit zu einem abstrakten Erinnerungsvermögen, vermuten sie. Die bildhafte Vorstellungskraft von Objekten aus der Erinnerung heraus ermögliche planvolles Handeln und sei deshalb eine Grundlage für die Intelligenzleistungen des Menschen und offen bar auch der Affen, sagen die Forscher.

Benjamin Basile und Robert Hampton von der Emory University in Atlanta präsentieren ihre Studie im Fachmagazin Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2011.03.044 wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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