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Aus eins mach zwei

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Zwei vom Körperbau her identische Arten des afrikanischen Malariaüberträgers Anopheles gambiae bei einer Blutmahlzeit. Die obere Malariamücke gehört zum M-Typus, die untere zum S-Typus. Credits: Jim Gathany (Center for Disease Control and Prevention)
Schlechte Nachrichten im Kampf gegen Malaria: Die Mückenart Anopheles gambiae sensu stricto, die zu den Hauptüberträgern zählt, steht offensichtlich kurz vor einer Aufspaltung in zwei verschiedene Arten. Zu diesem Schluss kommen gleich zwei wissenschaftliche Studien. Die beiden internationalen Forscherteams hatten unter anderem das Erbgut von zwei Anopheles-gambiae-Stämmen verglichen, die rein physiologisch betrachtet identisch sind. Dabei stellten sie jedoch derart umfassende genetische Unterschiede fest, dass sie eine bevorstehende Aufspaltung in zwei neue Arten vorhersagen. Diese Informationen seien wichtig für die Entwicklung neuer Strategien zur Malariabekämpfung: Insektengifte etwa müssten daraufhin überprüft werden, ob sie tatsächlich gegen beide Mückenstämme helfen, erklären Mara Lawniczak vom Imperial College London, die an beiden Studien beteiligt war, und ihre Mitarbeiter.

Die Mücke Anopheles gambiae ist eine der Hauptüberträgerarten von Malaria. Mit der gefürchteten Tropenkrankheit sind weltweit rund 250 Millionen Menschen infiziert, die meisten davon in Afrika. Die Verursacher der Krankheit sind einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium, die die Mücken befallen und den Menschen als Zwischenwirt nutzen. Sie gelangen durch den Stich der Anophelesmücke in den Blutkreislauf und können unter anderem Fieberattacken, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Insbesondere bei Kindern endet eine Infektion häufig tödlich.

Als Schlüssel, um der Krankheit Herr zu werden, gelten derzeit vor allem die Mücken. Indem sie bekämpft werden, beispielsweise durch Insektizide, soll die Ausbreitung von Malaria eingedämmt werden. Die Insektengifte sind jedoch umso wirkungsvoller, je besser sie dem Zielorganismus angepasst sind ? und genau hierfür ist die Entdeckung der Forscher sehr bedeutungsvoll.

Von der Malariamückenart Anopheles gambiae sensu stricto gibt es nämlich zwei Stämme, den S-Typ und den M-Typ. Diese beiden Stämme sind ihrem Körperbau und ihrer Physiologie her identisch. Bisherige Studien hatten jedoch bereits einige wenige genetische Unterschiede aufgezeigt. Die Forscher um Lawniczak wollten es nun genauer wissen und führten einen nahezu kompletten Erbgutvergleich durch. Mit eindeutigem Ergebnis: Die genetischen Unterschiede sind derart umfassend, dass die Mückenart wohl kurz vor einer Aufspaltung in zwei Arten steht. Von den Veränderungen betroffen sind auch eben jene Genregionen, die über die Entwicklung der Mücken, ihr Stechverhalten und die Fortpflanzung entscheiden. Diese genau zu kennen, ist besonders wichtig für die Malariabekämpfung.

Darüber hinaus schreitet die Evolution der Mücken auch noch ungewöhnlich schnell voran, wie die Forscher herausfanden. Um effektive Werkzeuge im Kampf gegen Malaria entwickeln zu können, empfehlen sie daher fortlaufende Erbgutanalysen sämtlicher Hauptüberträgerarten.

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Mara Lawniczak (Imperial College London) et al.: Science, Bd. 330, Nr. 6003, S. 512, doi: 10.1126/science.1195755 dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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