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Aus Ölpalmenplantagen wird Regenwald

Ölpalmenplantagen
Ölpalmenplantagen im Tabin-Kulamba Gebiet auf Borneo – sie sollen wieder zu Regenwald werden. (Bild: Robert Risch/ Rhino and Forest Fund e.V.)

Überall in den Tropen wird Regenwald abgeholzt, um Platz für Ölpalmenplantagen zu schaffen. Doch auf Borneo geht nun ein Pilotprojekt den umgekehrten Weg: Forscher haben Plantagenflächen aufgekauft, um darauf wieder Regenwald entstehen zu lassen. Dieser grüne Korridor soll zwei Refugien bedrohter Wildtiere verbinden. Gleichzeitig soll das Projekt klären, wie diese Renaturierung am besten durchgeführt werden kann – das hilft dann auch weiteren solcher Vorhaben.

Es steckt in Fertigpizza, Keksen und Margarine, aber auch in Kosmetika, Waschmitteln oder Biodiesel: Palmöl dient heute als Rohstoff für eine Unmenge von Produkten. Das Öl stammt aus den Früchten und Samen der Ölpalme und ist damit theoretisch ein nachwachsender Rohstoff. Doch weil die Ölpalmen nur in tropischen Gebieten gedeihen, wird für die Anlage neuer Ölpalmenplantagen meist Regenwald abgeholzt – und damit der Lebensraum unzähliger seltener Arten. Vor allem in Südostasien, aber auch Afrika und Südamerika verlieren dadurch viele Wildtiere ihre letzten Refugien.

15,5 Hektar Plantagen machen den Anfang

Ein Pilotprojekt auf Borneo will nun gegensteuern. Durch gezielten Ankauf von Plantagengebieten und die Rückwandlung der Ölpalmenplantagen in Regenwald will der Rhino and Forest Fund (RFF) zerstückelte Waldgebiete wieder zusammenführen und so grüne Korridore schaffen. Ziel ist es, durch die Vernetzung wertvoller Restlebensräume dem drohenden Aussterben isolierter Wildtierpopulationen entgegenzuwirken. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Universität Zürich wird diesen Prozess wissenschaftlich begleiten.

Den Grundstein für das Projekt haben die Wissenschaftler jetzt auf einer Konferenz in Malaysia gelegt. „Mit der Unterzeichnung eines Kaufabkommens auf der aktuellen Heart-of-Borneo-Konferenz in Kota Kinabalu in Malaysia wird ein Durchbruch bei der Schaffung eines bedeutsamen Wildtierkorridors besiegelt“, sagt Robert Risch, Vorstandsmitglied des RFF und Mitarbeiter am Leibniz-IZW. Das Projekt hat mithilfe von Spendengeldern zunächst 15,5 Hektar Ölpalmenplantagen gekauft, die in den nächsten Jahren gerodet und mit Regenwaldpflanzen wiederaufgeforstet werden. Die Regierung dieses Gebiets wird diese Flächen in Schutzgebiete umwandeln. Später sollen dann weitere Plantagenflächen hinzukommen.

Neuer Korridor für Orang-Utan und Co

Der neue Regenwaldkorridor soll künftig eine Verbindung zwischen den isolierten Wildtierreservaten Tabin und Kulamba im Osten des malaysischen Bundesstaates Sabah auf Borneo bilden. In diesen Restgebieten natürlichen Regenwalds leben bedrohte Wildtiere wie die Haarnasenotter, der Borneo-Orang-Utan, der Sunda-Nebelparder, der Borneo-Elefant und der Borneo-Banteng, wie die Forscher berichten. Sie hoffen, durch die neue Verbindung zwischen den Gebieten die Populationen dieser Tiere zu stabilisieren.

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Noch allerdings gibt es nur wenig Vorerfahrung mit der Rückumwandlung von Palmöl-Plantagen in Regenwald. „Die Herausforderung besteht in der Erforschung der optimalen Umwandlung von Ölpalmplantagen und ihren degradierten Böden in naturnahen Regenwald“, erläutert Philippe Saner vom RFF. Die wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts soll daher unter anderem klären, welche Bepflanzung am besten und schnellsten den Naturzustand wiederherstellt und wie dies von den Wildtieren angenommen wird.

„Bisher wird hauptsächlich der Verlust der Biodiversität untersucht, wir möchten jedoch herausfinden, wie lange es dauert, bis artenarme Ölpalmplantagenflächen nach einer Renaturierung wieder ihre ursprüngliche Artenvielfalt erreicht haben“, sagt Petra Kretschmar, Ökologin am Leibniz-IZW. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, weitere Renaturierungen in tropischen Regionen zu erleichtern. „Die wissenschaftliche Begleitung des gesamten Umwandlungsprozesses ist wichtig, um Empfehlungen für eine zukünftige nachhaltige Umwandlung von Agrarlandflächen in naturnahen Regenwald zu geben“, so die Forscherin.

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.

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