Ausgetrickste Mücken - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Ausgetrickste Mücken

Ausgerechnet die lästigen kleinen Taufliegen und ihre Gewohnheit, in Scharen überreife Früchte zu umschwärmen, haben Forscher jetzt auf die Idee für ein günstiges umweltfreundliches Mückenschutzmittel gebracht: Die Früchte enthalten Duftstoffe, die die Fliegen sozusagen blind gegenüber Kohlendioxid machen. Da auch Stechmücken dieses Gas in der von Tieren und Menschen ausgeatmeten Luft wahrnehmen und es als Wegweiser zu ihrer Beute nutzen, könnten diese oder ähnliche Duftstoffe in Zukunft helfen, den „Moskito-Mensch-Kontakt zu reduzieren“, wie es die Forscher formulieren. In einem Laborversuch haben sie bereits nachgewiesen, dass die Mücken prinzipiell ähnlich reagieren wie die Taufliegen.

Für Taufliegen ist Kohlendioxid ein Alarmsignal: Sie produzieren es, wenn sie unter Stress geraten oder Gefahr droht. Ihre Artgenossen können dieses Signal mit Hilfe ihrer Antennen wahrnehmen, die mit Sensormolekülen für das Gas ausgestattet sind. Dabei gibt es jedoch ein Problem: Auch viele Früchte oder gärende Flüssigkeiten, bevorzugte Nahrungsquellen für die Fliegen, sondern Kohlendioxid ab. Würde das Gas auch hier abstoßend wirken, müssten die Insekten verhungern. Dass das nicht geschieht, ist einer Art Stummschalter für das Alarmsignal CO2 zu verdanken, haben Turner und Ray nun entdeckt: Die Früchte produzieren Duftstoffe, die die Reaktion der CO2-Sensoren in den Fliegenantennen nahezu komplett unterdrücken.

Diese flüchtigen Substanzen ? verantwortlich sind vor allem das süßlich riechende 1-Hexanol und das Butteraroma Butandion, auch Diacetyl genannt ? werden unter anderem von reifenden und überreifen Mangos, Bananen, Aprikosen, Melonen und Erdbeeren gebildet. Da auch Stechmücken auf Kohlendioxid reagieren, testeten die Forscher in weiteren Versuchen, ob auch bei ihnen ein ähnlicher Hemmeffekt durch die Duftstoffe zu beobachten ist. Tatsächlich unterdrückten sowohl das Hexanol als auch das verwandte, stechend riechende Butanal die Reaktion auf Kohlendioxid, während Butandion keine Wirkung auf die Stechmücken hatte.

Dieses Ergebnis sei vor allem deswegen sehr vielversprechend, schreiben Ray und Turner, weil die getesteten Mücken zur Gattung Culex gehörten. In dieser Gruppe finden sich neben der gemeinen Stechmücke auch mehrere Moskitoarten, die Krankheiten wie die sogenannte lymphatische Filariose, besser bekannt als Elephantiasis, übertragen. Ein Einsatz der jetzt identifizierten Duftstoffe könnte daher möglicherweise dazu führen, dass die Mücken anwesende Menschen einfach nicht mehr wahrnehmen und so die Wahrscheinlichkeit für einen potenziell gefährlichen Stich sinkt. Aktuell testen die Wissenschaftler, ob es auch Duftstoffe gibt, die andere Mückenvarianten wie etwa die malariaübertragende Anophelesmücke blind für das ausgeatmete Kohlendioxid machen.

Stephanie Turner und Anandasankar Ray (Universität von Kalifornien in Riverside): Nature (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature08295). ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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