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Austern mit Mond-Sinn

Austern
Das Verhalten von Austern wird offenbar vom Mond beeinflusst. (Foto: assalve/ iStock)

Das Mondlicht spielt für einige Meerestiere eine wichtige Rolle – beispielsweise um ihre Fortpflanzung zu synchronisieren. Doch die Pazifische Auster scheint einen noch sensibleren „Mond-Sinn“ zu besitzen, wie nun Beobachtungen enthüllen. Sie reagiert nicht nur auf die Stärke des Mondlichts, sondern kann offenbar sogar erkennen, ob der Mond gerade zunimmt oder abnimmt. So öffnet sie ihre Schalen beim zunehmenden Viertelmond weiter als beim abnehmenden Viertelmond – obwohl beide gleich hell sind. Wie die Muschel dies erkennt, ist bislang noch rätselhaft.

Das Leben auf unserem Planeten ist von den Zyklen der Sonne, der Erde und des Mondes geprägt. Der Tag-Nacht-Rhythmus, aber auch andere Zeitgeber wie der Verlauf der Jahreszeiten oder der monatliche Vollmond tragen dazu bei, das Verhalten von Tieren mit ihrer Umwelt zu synchronisieren. So stimmen viele Meerestiere ihre Fortpflanzung mit dem Vollmond ab und vollführen dann spektakuläre Massenpaarungen. „Abseits solcher reproduktiven Prozesse sind lunare Rhythmen in der Physiologie und dem Verhalten mariner Organismen jedoch weitgehend unbekannt – trotz ihrer potenziell großen ökologischen Bedeutung“, sagen Laura Payton von der Universität Bordeaux und ihr Kollege Damien Tran.

Weiter offen bei Neumond

Um das zu ändern, haben die beiden Forscher nun bei der Pazifischen Auster (Crassostrea gigas) nach Hinweisen auf einen lunaren Rhythmus gesucht. Von dieser weit verbreiteten Muschelart ist bereits bekannt, dass ihre Schalenöffnungszeiten einem ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus folgen, auch einen Jahreszyklus gibt es in ihrem Verhalten. Studien deuten darauf hin, dass die Auster diese Rhythmen durch eine Kombination von externen Zeitgebern und einer inneren Uhr hält. Unbekannt war aber bisher, ob diese Muschel sich auch von den wechselnden Mondphasen leiten lässt. Um das herauszufinden, überwachten die Forscher die Schalenöffnung von zwölf Austern mithilfe eines Messgeräts über mehrere Monate hinweg rund um die Uhr.

Und tatsächlich: Im Laufe des gut 29-tägigen Mondzyklus registrierten die Messgeräte charakteristische Veränderungen im Verhalten der Austern. Bei Neumond und im dritten Viertel des Mondzyklus öffneten die Austern ihre Schalen deutlich weiter als zu anderen Zeiten. „Offensichtlich sind die Muscheln in der Lage, das Mondlicht wahrzunehmen – trotz seiner sehr geringen Intensität verglichen mit dem Sonnenlicht“, sagen Payton und Tran. Denn alle Versuchsaustern lagen auf Muschelbänken in rund einem Meter tiefen Wasser. „Das spricht dafür, dass die Mollusken Lichtsensoren besitzen müssen, die selbst dieses schwache Licht wahrnehmen können.“

Das Rätsel des ersten und dritten Mondviertels

Noch spannender aber war ein weiteres Ergebnis der Messungen: Wenn der Mond im dritten Viertel stand, öffneten die Austern ihre Schalen im Schnitt 16 bis 19 Prozent weiter als während des ersten Viertels – obwohl beide Mondphasen genau gleich hell sind. „Das demonstriert, dass die Austern erkennen können, ob der Mond zu- oder abnimmt“, sagen die Forscher. Offenbar folgen die Muscheln dem Lauf der Mondphasen und können so bestimmen, an welcher Stelle des Mondzyklus sie sich gerade befinden. Wie die Austern dies zuwege bringen, ist bislang noch ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre, dass das Mondlicht die innere Uhr der Muscheln beeinflusst, eine andere, dass ein innerer Rhythmus dieses Folgen der Mondphasen steuert.

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„Um herauszufinden, ob dieses vom Mond beeinflusste Verhalten intern oder extern reguliert wird, sind nun weitere Experimente nötig“, betonen die Wissenschaftler. So könnte man Austern unter Dauerlicht oder im Dauerdunkel halten und schauen, ob sie auch dann einem 29-tägigen Mondrhythmus folgen. Auch simulierte Mondphasen könnten dabei helfen, das Geheimnis des Mond-Sinns der Austern zu lüften. In jedem Falle sollte diese Frage weiter verfolgt werden. „Die lunaren Rhythmen der Austern könnten einen nicht zu vernachlässigbaren Effekt auf benthische und pelagische Meereszonen haben“, sagen Payton und Tran.

Quelle: Laura Payton (Université de Bordeaux, Arcachon) und Damien Tran (CNRS, Arcachon), Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2018.0299

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