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Hongkong

Austernbänke als Reinigungshelfer

Austern
Natürliche Austernbänke vor der Küste von Hongkong. (Bild: Kyle Obermann/ TNC)

Heute sind natürliche Austernbänke vielerorts rar geworden – das gilt auch für die einst austernreichen Gewässer rund um Hongkong. Dort haben Biologen nun aufgedeckt, welch große Bedeutung diese Muschelbänke für die Reinigung des Meeres haben. So kann eine Hongkong-Auster bis zu 30 Liter Wasser pro Stunde filtern. Die gute Nachricht: Hongkongs Austernriffe könnten sich schnell wieder regenerieren, wenn sie unter Schutz gestellt würden.

Einst gab es vor vielen Küsten der gemäßigten und subtropischen Breiten ausgedehnte natürliche Muschelbänke, darunter auch von Austern gebildete Kolonien. Doch inzwischen sind davon nur noch wenige Reste und kommerzielle Zuchtanlagen übrig. „Global haben wir 85 Prozent aller Muschelbänke verloren – damit gehören sie zu den am stärksten gefährdeten marinen Lebensräumen der Erde“, erklärt Marine Thomas von der Organisation The Nature Conservancy in Hongkong.

Nur noch Reste erhalten

Das Verschwinden der natürlichen Austernbänke ist in mehrfacher Hinsicht ein großer ökologischer Verlust, wie die Forscherin erklärt: „Die meisten Menschen assoziieren Austern mit einer essbaren Delikatesse, aber weniger bekannt ist, dass Austern ökologisch wertvolle Riffhabitate bilden.“ Denn Muschelbänke bieten vielen Jungtieren von Fischen sowie anderen Meeresbewohnern einen geschützten Lebensraum, gleichzeitig bilden sie Strukturen, die Wellen brechen und ruhige Wasserzonen schaffen. „Nur wenn wir diese verlorenen Habitate wiederherstellen, können wir auch einige ihrer positiven Effekte auf die Meeresumwelt wiedergewinnen“, sagt Thomas.

In welchem Maße dies in den Gewässern um Hongkong möglich ist, wie es dort um die einst ausgedehnten Austernbänke bestellt ist und welche Filterleistungen die Hongkong-Auster (Crassostrea hongkongensis) vollbringt, haben sie und ihre Kollegen nun untersucht. Wie sich zeigte, existieren in vielen Bereichen der unteren Gezeitenzone Hongkongs noch Reste natürlicher Austernbänke. „Diese Gebiete sind aber stark degradiert und haben meist nur noch geringe Dichten an Austern, meist sind diese zudem weniger als zwei Jahre alt“, wie die Forscher berichten. Der Grund dafür: „Die Muschelhabitate sind in Hongkong kaum geschützt. Daher ist das wilde Ernten ein großes Problem: Sobald die Muscheln groß genug zum Essen sind, nimmt sie jemand mit.“

Genug Austernlarven für die natürliche Regeneration

Aber es gibt auch mehrere gute Nachrichten. Die vielleicht Wichtigste ist ein großes Potenzial für die natürliche Regeneration der Hongkonger Austernbänke. In einigen Bereichen siedelten sich bis zu 500.000 Jungmuscheln pro Quadratmeter an, wie die Biologen ermittelten. „Zwar schwankte die Zahl der Tiere, die bis ins Erwachsenenalter überlebten, dennoch gab es ausreichend neu eintreffende Larven und genügend Überlebende, um die Austernbänke auch ohne gezielte Nachzucht und ei Aussetzen von Larven zu gewährleisten“, so Thomas und ihr Team. Sie vermuten, dass die meisten Austernlarven von den vielen traditionellen Austernfarmen im nahen Perlflussdelta stammen. Die dort von den Muscheln freigesetzten Larven siedeln sich dann zum Teil auch vor Hongkongs Küsten an.

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Nähere Untersuchungen ergaben zudem, dass gerade die dort heimischen Hongkong-Austern einen besonders großen Beitrag zur Meeresreinigung leisten. So kann schon eine einjährige Auster bei sommerlichen Temperaturen bis zu 30 Liter Wasser pro Stunde filtern. Das sei eine der höchsten von Austern bekannten Filtrationsraten, sagen die Forscher. Sieben Quadratmeter einer solchen Austernbank reichen aus, um pro Tag ein ganzes olympisches Schwimmbecken voller Meerwasser zu reinigen. Selbst die ausgedünnten Reste der heute noch existierenden Austernbänke rund um Hongkong tragen demnach dazu bei, das Meer dort sauberer zu machen. Unter anderem deshalb seien die Austernbänke in dieser Region und an anderen Küsten Asiens besonders schützenswert. „Wir arbeiten bereits gemeinsam mit der Regierung daran, diese wichtigen Ökosysteme in Zukunft besser zu schützen“, sagt Thomas. Sie und ihr Team vermuten, dass sich die Muschelbänke auch in anderen Gebieten Asiens von selbst regenerieren würden, wenn man sie besser vor Zerstörung und vorzeitigem Abernten durch den Menschen schützen würde.

Quelle: The University of Hong Kong; Fachartikel: Restoration Ecology, doi: 10.1111/rec.13267

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