Bärtige Baumgärtner für den Regenwald - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Bärtige Baumgärtner für den Regenwald

Schwarzstirntamarine tragen zur Regeneration von Regenwäldern bei. (Bild: Andrea Schell)

Wo der Mensch Schaden angerichtet hat, sorgen andere Primaten offenbar für eine Wiedergutmachung: In zerstörten Tropenwäldern helfen Affen bei der Aufforstung, berichten Forscher. Sie konnten am Beispiel von Schnurrbart- und Schwarzstirntamarinen in Peru dokumentieren, wie effektiv diese Tiere mit ihrem Kot Baumsamen verbreiten und somit zur Regeneration von zerstörten Ökosystemen beitragen.

Die Bedeutung der tropischen Wälder der Erde rückt immer mehr in den Fokus: Die grünen Lungen binden große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff und bieten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Während nach wie vor in einem dramatischen Ausmaß Regenwald vernichtet wird, bemüht man sich immerhin in einigen Bereichen auch um die Regeneration der Ökosysteme. Das Problem ist allerdings: Wenn tropische Wälder einmal zerstört sind, erholen sie sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Faktoren zu kennen, die zu einer Regeneration beitragen.

Welche Rolle spielen die Affen?

In diesem Zusammenhang berichten die Wissenschaftler um Eckhard Heymann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen (DPZ) nun über die Rolle von Affen. Sie präsentieren Ergebnisse, die im Laufe von 20 Jahren Arbeit in der Forschungsstation Estación Biológica Quebrada Blanco im peruanischen Amazonas-Regenwald entstanden sind. Wie sie berichten, befindet sich In der Nähe der Station ein rund vier Hektar großes Rodungsgebiet, das zehn Jahre lang als Weide für Wasserbüffel gedient hat. Im Jahr 2000 wurde diese Nutzung aufgegeben und das Areal blieb sich selbst überlassen. „Anfangs rechneten wir nicht damit, dass sich das gerodete Waldgebiet jemals wieder erholt“, betont Heymann. Doch dann begann sich das Areal doch langsam zu wandeln: Bäume und Büsche sprossen.

Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich dort oft Schnurrbarttamarine (Saguinus mystax) und Schwarzstirntamarine (Leontocebus nigrifrons) aufhielten. So entschlossen sie sich, der Bedeutung dieser zierlichen Affen eine Untersuchung zu widmen. „Wir wollten herausfinden, ob die Samenausbreitung durch Affen einen nachweisbaren Einfluss auf die natürliche Regeneration der Wälder hat“, sagt Heymann. Um zu untersuchen, welche Samen die Tiere aus den umliegenden Waldbereichen (Primärwald) in das sich erneut entwickelnde Areal (Sekundärwald) brachten, identifizierten die Forscher Samen aus dem Kot der Affen.

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Samen in Geschäftchen auf der Spur

Es zeichnete sich ab, dass etwa zehn Prozent der Samen in den Geschäftchen, die im Sekundärwald erledigt wurden, von Pflanzen aus dem Primärwald stammten. Die Forscher konnten zudem dokumentieren, dass ein Teil dieser Samen auch tatsächlich auskeimte und Jungpflanzen bildeten, die zu acht verschiedenen Pflanzenarten gehörten. Um die Ergebnisse weiter zu untermauern, nahmen die Wissenschaftler gezielt eine der Baumarten ins Visier: Parkia panurensis. Sie extrahierten Erbgut aus Blättern von Keimlingen diese Pflanze, die im Sekundärwald gewachsen waren, und verglichen die DNA-Muster mit denen erwachsener Parkia-Bäume im nahegelegenen Primärwald. Auf diese Weise war ein präziser Nachweis der Abstammung möglich: Die Forscher konnten die Hälfte der Jungpflanzen elf Elternbäumen im Primärwald zuordnen.

„Unsere Daten zeigen somit erstmals, dass die Schnurrbart- und Schwarzstirntamarine effektiv Samen aus Primärwaldern in Sekundärwalder hineintragen“, sagt Heymann. „Wir konnten zudem nachweisen, dass diese Samen keimen und junge Pflanzen bilden und damit die Artenvielfalt im Sekundärwald erhöhen. Die Tamarine tragen damit nachweislich zur natürlichen Regeneration der von Menschen zerstörten Gebiete bei“, resümiert der Biologe die Ergebnisse.

Quelle: Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung, Fachartikel: Nature Scientific Reports, doi: s41598-019-46683-x

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