Nordatlantisches Wetterphänomen beeinflusst Samenjahre bei Bäumen in Europa Bäume: Mastjahre folgen einem Taktgeber - wissenschaft.de
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Nordatlantisches Wetterphänomen beeinflusst Samenjahre bei Bäumen in Europa

Bäume: Mastjahre folgen einem Taktgeber

Buchenmast
Bucheckern-Schwemme in einem Mastjahr (Foto: Ingo Bartussek/ Fotolia)
Wenn europäische Buchen, Kastanien und andere Laubbäume besonders viele Samen produzieren, reagieren sie damit auf einen Taktgeber über dem Ozean: Die Klimaschwankungen der Nordatlantik-Oszillation (NAO) lösen Mastjahre aus – und das teilweise schon lange bevor die Bäume blühen.

2016 erlebten die Buchen in Deutschland ein Mastjahr: Sie produzierten enorme Mengen von Samen. Bei einer solchen Buchenmast können dann Millionen Bucheckern auf einem Hektar Waldboden liegen – zur Freude vieler Waldtiere. Solche Jahre besonders starker Samenproduktion treten bei unseren Waldbäumen mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf, in einem für jede Baumart spezifischen Zyklus. In Deutschland gibt es beispielsweise alle drei bis sechs Jahre eine Buchenmast.

Für die Bäume bringt ein Mastjahr Vor- aber auch Nachteile: Einerseits steigt die Chance auf viele Nachkommen, wenn sie viele Samen produzieren. Denn samenfressende Vögel und Kleinsäuger finden dann so reichlich Futter, dass trotzdem genügend Samen übrigbleiben und auskeimen können. Andererseits aber kostet sie dies viele Energie – so viel sogar, dass sie in Mastjahren weniger gut wachsen als sonst. Zudem können sie anfälliger für Schädlinge, Trockenheit und andere negative Einflüsse sein.

Was bestimmt den Mastjahr-Zyklus?

Doch was bestimmt, wann ein Mastjahr ist? Klar scheint, dass das Wetter dabei eine wichtige Rolle spielt. Gibt es in einem Jahr einen kühlen Frühsommer, bilden Buchen und andere Laubbäume weniger Blüten und Samen. Folgt aber ein Jahr mit warmem Frühsommer, blühen die Bäume besonders reichlich und produzieren später auch besonders viele Samen. Aber warum wiederholen sich diese Klimamuster bei uns in Europa in einem so regelmäßigen Zyklus?

Das haben nun Davide Ascoli von der Universität Neapel und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie verglichen sie die Daten der Mastjahre von Buchen und Fichten der letzten 190 Jahre in ganz Europa mit Klimadaten über die Nordatlantische Oszillation (NAO). Dieses zyklisch wiederkehrende Klimaphänomen sorgt für Verschiebungen im Druckverhältnis zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden. Dadurch spielt es für das Wetter und Klima in Europa eine wichtige Rolle.

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Nordatlantik-Oszillation als Taktgeber

Der Verdacht der Forscher: Die von der NAO verursachten Klimaschwankungen könnten das Klimasignal sein, das auch die Mastjahre der Bäume bestimmt. Und tatsächlich: Die Analysen ergaben, dass während der letzten 60 Jahre die Mastereignisse sowohl mit den jährlichen als auch den jahrzehntelangen Schwankungen der Nordatlantischen Oszillation zusammenhängen. Die NAO hat demnach einen großen Einfluss nicht nur auf das europäische Klima- und Wettergeschehen, sondern auch auf die Samenproduktion von Waldbäumen.

Das Überraschende daran: Ausschlaggebender Auslöser für ein Mastjahr ist dabei nicht nur das Wetter im Frühsommer wie bisher gedacht. Stattdessen scheint die NAO schon zur Zeit der Blüte, im Winter und sogar im Vorjahressommer einen Einfluss auszuüben, wie die Wissenschaftler herausfanden. Das Wetter prägt schon zu diesen frühen Zeitpunkten unter anderem die Nährstoffeinlagerung, die Anlage von Blütenknospen im Vorjahr und eine erfolgreiche Bestäubung durch Wind im Mastjahr selbst.

Quelle: Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

© natur.de – Nadja Podbregar
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