Bakterien bringen rote Blattläuse zum Ergrünen - wissenschaft.de
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Bakterien bringen rote Blattläuse zum Ergrünen

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Diese beiden Erbsenläuse sind genetisch identisch, doch die linke hat durch die Vergesellschaftung mit Bakterien ihre Farbe geändert. Image © Science/AAAS
Blattläuse können ihre Farbe ändern, indem sie eine Lebensgemeinschaft mit bestimmten Bakterien eingehen. Das hat ein japanisches Forscherteam herausgefunden, als es die Insekten genauer unter die Lupe nahm. Rote Erbsenläuse werden demnach grün, wenn sie einen bestimmten Mikroorganismus in ihrem Körper beherbergen. Dieser fördert die Produktion grüner Pigmente, so dass sich das Verhältnis zwischen roten und grünen Farbstoffen zugunsten der grünen verschiebt. Dieser Farbwechsel kann den Blattläusen unter bestimmten Bedingungen das Leben retten: Sie fallen durch die grüne Farbe weniger auf und sind somit besser vor einigen Fressfeinden geschützt.

Farben spielen im Tierreich oftmals eine entscheidende Rolle – vor allem, wenn es darum geht, sich vor einem Räuber zu verbergen. Das gilt auch für Blattläuse: Erbsenläuse (Acyrthosiphon pisum) können entweder rot oder grün sein. Prinzipiell können beide Farben sowohl vorteilhaft als auch nachteilig sein: Die roten Insekten fallen Marienkäfern eher ins Auge und werden von ihnen gejagt, während die grünen Läuse auf dem Speiseplan von Schlupfwespen stehen, die ihnen gezielt nachstellen.

Wie die Färbung zustande kommt, hatten frühere Studien bereits gezeigt: Die Insekten produzieren zwei unterschiedliche Pigmentsorten, rote und grüne. Letztlich entscheidet die Mischung darüber, welche Farbe das Insekt hat. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass ausschließlich die Gene dieses Mischungsverhältnis bestimmen. Doch das scheint nicht der einzige Faktor zu sein, zeigt die neue Studie. Dafür hatten die Forscher in Frankreich Erbsenläuse eingesammelt, die rote Nachkommen hervorbrachten. Überraschenderweise färbten sich einige von diesen jedoch grün, nachdem sie herangewachsen waren. Der Grund: Die Läuse waren von einem bestimmten Bakterium infiziert, das die Produktion der grünen Pigmente in den Insekten angekurbelt hatte. Die Menge der roten Farbstoffe blieb hingegen unbeeinflusst.

Die Forscher vermuten, dass die Symbiose zwischen diesen Bakterien und den Blattläusen nicht nur Schutz vor Fressfeinden gewährt, sondern auch die Wechselbeziehung mit anderen Mikroorganismen beeinflusst. Denn die Bakterien, die den Farbwechsel verursachen, sind nicht die einzigen, die den Insekten Vorteile verschaffen: Andere Arten unterstützen beispielsweise den Stoffwechsel der Insekten und sorgen zudem für Schutz vor hohen Temperaturen.

Tsutomu Tsuchida (RIKEN Advanced Science Institute, Wako) et al.: Science, Bd. 330, S. 1102 dapd/wissenschaft.de – Peggy Freede
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