bdw an Bord: Die erste Banane - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

bdw an Bord: Die erste Banane

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Die Maria S. Merian. Foto: Thomas Willke
Montag 2.4.2012 Position: 25°56,39? N 079°18,62? W (um 12.00 Uhr Bordzeit = MESZ -6 Stunden) Kurs: DP-Mode: Auto-Positioning Etmal (die in 24 Stunden zurückgelegte Strecke): 92 Seemeilen Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,8 Knoten Wetterbericht, 12.00 Uhr: Luftdruck: 1.014,2 hPa Wind: Südwest 3 Beaufort Lufttemperatur: 24,7°C Wassertemperatur: 25,8°C Höhe der Dünung: 1 Meter Es war ein langer Abend. Bis nach 10 Uhr zogen die Techniker Klaus Dehning und Marco Klann vom MARUM und Maik Wilsenack von Senckenberg am Meer Bohrkerne aus dem Meeresboden. Schließlich ging das Schwerelot zum letzten Mal auf Tiefe ? und dann das: Die Forscher konnten den Aufprall und das Einsinken des Bohrers in den Boden indirekt an Bord verfolgen. Ein Monitor im Hangar zeigte ihnen, welcher Zug auf das Stahlseil wirkt, an dem das Schwerelot hängt ? das geübte Auge erkennt im Diagramm auf dem Bildschirm, wenn etwas schiefläuft. Als der Bohrer wieder aus dem Wasser kam, war sie deutlich zu sehen: die Banane. Das Bohrrohr war fast drei Meter in den Meeresboden eingedrungen, dann auf etwas Hartes gestoßen und durch den plötzlichen Aufprall hatte die eine Tonne Gewicht, die das Bohrrohr ins Sediment treiben sollte, das Rohr verbogen. Bananen gehören zum täglichen Geschäft von Meeresgeologen ? und Bohrrohre sind glücklicherweise billig (die Kunststoffinnenrohre sind Abwasserleitungen aus dem Baumarkt). Aber sie machen Arbeit. Dehning und Wilsenack mussten eine Flex holen, um das defekte Rohr vorsichtig zu zerlegen. So gelang es ihnen, die kostbare Bohrprobe zu retten. Die Merian blieb nur wenige Meilen entfernt von Bimini und kartierte in der Nacht den Meeresboden. Vormittags tauchte das ROV und entdeckte anstatt einer Korallenlandschaft ein Paradies für Schwämme. Es war nicht das, was die Forscher erwartet hatten, aber die Biologen waren trotzdem begeistert. Nachmittags gingen wieder Baggergreifer und Schwerelot in die Tiefe. Funken sprühen in der Nacht: Maik Wilsenack zerlegt das Bohrrohr des Schwerelots. Foto: Thomas Willke So lieben Geologen ihr Schwerelot: schön schlammig. Der Matsch außen am Rohr zeigt, dass der Bohrer tief in den Boden eingedrungen ist. Klaus Dehning vom MARUM reinigt das Rohr, bevor es an Bord gehievt wird. Foto: Thomas Willke Das Skelett einer Kaltwasserkoralle ( Lophelia pertusa). Die Überreste sind ein begehrter Siedlungsplatz für viele Tierarten. Oben am ?Kraterrand? siedeln fädige Moostierchen ( Bryozoen) und in der Mitte sitzt eine Foraminifere, ein riesiger Einzeller. Sie hat sich ein Gehäuse aus verklebtem Sand gebaut. Foto: Senckenberg Thomas Willke, Korrespondent von bild der wissenschaft, von Bord der Maria S. Merian Das vollständige Logbuch finden Sie hier 15. März: „Startschwierigkeiten“ 16. März: Kein Visum ? keine Forschungsreise 17. März: Ruhe vor dem Strum 18. März: Von Unterwasserrobotern und Korallen 19. März: Jagd nach Aerosolen 20. März: Achtung, Rutschgefahr! 21. März: Endlich im Arbeitsgebiet 22. März: Daten sammeln auf rauer See 23. bis 25. März: Reiche Ausbeute vor Yucatan 26. März: Vielfältige Unterwasserwelt vor Florida 27. März: Tückischer Sand 28. März: Den Meeresboden durchleuchten 29. März: Oasen in der Wüste 30. März: Ein Freund für den ROV 31. März: Bahamas voraus 01. April: Im Golfstrom 02. April: Die erste Banane 03. April: Der Korallenfriedhof 04. April: Mount Gay 05. April: Zwei Berge und ein Blitz 06. April: Nordwärts 07. April: Abschied Mehr über die Forschungsexpedition der Maria S. Merian erfahren Sie unter www.marum.de .
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