Beschwingtes Nickerchen - wissenschaft.de
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Beschwingtes Nickerchen

Wer gerne ein Mittagsschläfchen hält, sollte sich dafür eine Hängematte oder einen Schaukelstuhl suchen: Darin schläft man nämlich nicht nur schneller ein, der Schlaf ist auch insgesamt besser und erholsamer. Das hat ein französisch-schweizerisches Forscherteam jetzt mithilfe von 12 Freiwilligen und einer Art Modell-Hängematte gezeigt. Demnach verändert sich selbst die Hirnaktivität, wenn man sanft hin und her schaukelt: Die Oszillationen der Hirnströme werden langsamer und zeigen typische Merkmale für einen sehr stabilen tiefen Schlaf. Ob auch der Nachtschlaf von einer schaukelnden Unterlage profitiert, wollen die Forscher als nächstes untersuchen ? falls ja, könnte das Schlafen in der Hängematte möglicherweise ein vergleichsweise einfaches Rezept gegen Schlafstörungen sein.

Hängematten sind beliebt ? nicht nur hierzulande, sondern nahezu weltweit. Auch das sanfte Wiegen schreiender Babys ist eine Strategie, die unabhängig von der Kultur bei praktisch allen Menschen zu beobachten ist. Das kommt offenbar nicht von ungefähr, konnten Michel Mühlethaler und Sophie Schwartz von der Universität von Genf und ihre Kollegen jetzt zeigen: Das Schaukeln scheint tatsächlich die Schlafqualität zu verbessern und beim Einschlafen zu helfen.

Herausgefunden haben die Wissenschaftler das mithilfe von 12 jungen Männern und bettartigen Matten, die sich hin und her schaukeln ließen. Obwohl normalerweise keine Fans von Mittagsschläfchen, erklärten sich die Probanden für die Studie dazu bereit, jeweils zweimal für eine Dreiviertelstunde am frühen Nachmittag ein Nickerchen auf der simulierten Hängematte zu machen ? einmal bei fixiertem Untergrund und einmal, während die Matte mit 0,25 Hertz hin und her schwang. Die Forscher zeichneten dabei verschiedene Schlafparameter und die Hirnströme der Testteilnehmer auf.

Auswertbar waren die Daten von 10 der 12 Probanden ? einer konnte aus Nervosität nicht schlafen und beim anderen versagte die Technik. Obwohl nur acht der erfassten Teilnehmer das Schlafen im Schaukelbett als angenehmer empfanden, war bei allen der gleiche Effekt feststellbar: Im Vergleich zum fixierten Bett beschleunigte die schaukelnde Matte das Einschlafen, und die Teilnehmer waren nach dem Schläfchen zudem deutlich besser erholt. Auch die Schlafqualität selbst war besser, ergab die Auswertung: Die Hirnströme zeigten, dass die Probanden insgesamt tiefer geschlafen hatten und dass die Phase des leichten Schlafs zu Beginn kürzer gewesen war. Auch die sogenannten Schlafspindeln ? Phasen mit einer typisch erhöhten Aktivität während des Schlafs ? traten auf dem Schaukelbett häufiger auf. Diese Spindeln gelten als entscheidend für die Stabilität des Schlafs: Je mehr davon vorkommen, desto geringer ist das Risiko, durch ein leises Geräusch oder eine andere Störung aufzuwachen.

Wie dieser positive Effekt zustande kommt, können die Forscher noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass die rhythmischen Signale, die die Sinnesorgane und das Gleichgewichtsorgan auf der Hängematte liefern, entweder direkt die für die Schlafsteuerung zuständigen Areale im Gehirn anregen. Oder aber die Impulse lassen die Nervenzellen in Netzwerken, die den Thalamus ? das „Tor zum Bewusstsein“ ? und Teile der Großhirnrinde umfassen, sozusagen im Gleichklang schwingen und verstärken dadurch den internen Schlafrhythmus. Was auch immer der Grund ist, die Forscher betonen, dass sie bislang lediglich Aussagen für junge, gesunde Männer ohne Probleme mit dem Gleichgewichtssinn und für kurze Schlafperioden während des Tages treffen können. Ob sich auch der Nachtschlaf und damit möglicherweise sogar Lernvorgänge positiv beeinflussen lassen, müsse nun als nächstes untersucht werden.

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Laurence Bayer (Universität Genf) et al.: Current Biology, Online-Vorabveröffentlichung vom 21. Juni wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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