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Bestrahlung und Chemotherapie sind bei Kehlkopfkrebs sichere Alternative zur Operation

Fortgeschrittener Kehlkopfkrebs kann heute bei einem großen Teil der Patienten geheilt werden, ohne dass der Kehlkopf entfernt werden muss. Dies hat eine Studie von der Hals-Nasen-Ohrenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg koordinierte Studie gezeigt. „Durch eine Kombination von Strahlenbehandlung und Chemotherapie konnten 70 Prozent der Patienten nach Ablauf von einem Jahr erfolgreich behandelt werden. Ihr Tumor bildete sich zurück“, erklärt der Leiter der Sektion, Andreas Dietz. Die Entfernung des Kehlkopfes und die damit verbundene Einschränkung der Lebensqualität blieb den Patienten mit der so genannten primären Radiochemotherapie erspart.

Studien im Ausland haben gezeigt, dass eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie ebenso erfolgreich wie die Operation ist und der Kehlkopf erhalten werden kann, sagt Dietz. Von den positiven Ergebnissen ermutigt, hat die Sektion Onkologie 1997 in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Radiologischen Universitätsklinik eine multizentrische Studie initiiert. Erste Ergebnisse haben die Mediziner jetzt veröffentlicht (HNO 2002, 50, S. 146-154).

Insgesamt 28 Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumorleiden erhielten fünf Wochen lang täglich eine Bestrahlung und zusätzlich in der ersten und fünften Woche eine Chemotherapie mit Carboplatin. Am Anfang und am Ende der Therapie wurde das Tumorstadium erneut überprüft, um falls erforderlich doch eine Operation durchzuführen.

„Ein Jahr nach der Behandlung hatte sich bei 20 von 28 Patienten der Tumor komplett zurückgebildet“, berichtet Dietz. Die restlichen Patienten zeigten einen Befall der Halslymphknoten oder weiter entfernte Metastasen. Die Heidelberger Ärzte hoffen nun, die Ergebnisse durch weitere Maßnahmen zu verbessern.

Standardtherapie beim fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs ist bislang die Entfernung des gesamten Kehlkopfes mit anschließender Bestrahlung. Sind die umgebenden Lymphknoten befallen, wird auch ein Teil der Halsmuskulatur entfernt. Nur bei lokal begrenzten Tumoren ist eine teilweise Entfernung des Kehlkopfes möglich. Wird der Kehlkopf komplett entfernt, geht die Stimme verloren. Meist wird dann ein Sprechventil in die Speiseröhre eingesetzt, mit dessen Hilfe eine Ersatzsprache erlernt werden kann. Gleichzeitig wird ein künstlicher Ausgang der Luftröhre über dem Brustbein gelegt, ein so genanntes Tracheostoma. Probleme beim Schlucken, Atmen und Sprechen können die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigen. Immer häufiger wird eine Kehlkopfentfernung deswegen abgelehnt.

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Die Zahl bösartiger Tumoren des Kehlkopfs und im unteren Rachenbereich hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 3.000 Menschen an diesem Tumorleiden, überwiegend Männer. Die wichtigsten Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs sind Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Da die Erkrankung im Anfangsstadium nur unspezifische Symptome hervorruft, etwa anhaltende Heiserkeit oder Reizhusten, ist sie bei mehr als 60 Prozent der Patienten schon in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium, wenn sie festgestellt wird, und hat meist eine schlechte Prognose.

An einer noch umfassenderen Studie zur Radiochemotherapie können noch Patienten teilnehmen. Informationen dazu sind bei der Deutschen Larynx-Organerhalt Studiengruppe erhältlich.

idw
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