"Big-Brother"-Effekt nur bei leiblichen Brüdern - wissenschaft.de
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"Big-Brother"-Effekt nur bei leiblichen Brüdern

Mit der Anzahl älterer Brüder steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Mann, homosexuell zu sein. Das gilt jedoch nur dann, wenn es sich dabei um leibliche Brüder handelt, hat der kanadische Psychologe Anthony Bogaert gezeigt. Stiefbrüder haben dagegen genauso wie Adoptivgeschwister oder leibliche Schwestern keinen Einfluss auf die sexuelle Orientierung, selbst wenn der Betreffende während seiner Kindheit deutlich mehr Zeit mit ihnen verbracht hat als mit seinen biologischen Brüdern. Das Ergebnis stütze die These, dass die Neigung zur Homosexualität bereits im Mutterleib geprägt werde, so der Psychologe.

Bereits vor zehn Jahren stieß Bogaert zusammen mit einem Kollegen auf den Einfluss, den die Anzahl älterer Brüder auf die Wahrscheinlichkeit für eine homosexuelle Orientierung bei Männern hat. Seitdem diskutieren Forscher darüber, ob dieser Effekt eine biologische oder eine soziale Ursache hat. So ist es beispielsweise denkbar, dass ein Junge als jüngster von mehreren Brüdern von Eltern und Umwelt anders behandelt wird als ein Junge mit weniger Geschwistern. Die momentan favorisierte Theorie geht jedoch davon aus, dass eine Immunreaktion der Mutter bereits während der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Kindes beeinflusst. Eine solche Reaktion würde mit jeder neuen Schwangerschaft mit einem Jungen zunehmen und daher wie eine Art Gedächtnis für die Anzahl männlicher Föten wirken.

Um diese beiden Theorien zu testen, wertete Bogaert nun die Daten von knapp 1.000 homo- und heterosexuellen Männern aus. Dazu teilte er die Geschwister der Probanden in zwei Gruppen ein: die biologischen Geschwister, die die gleiche Mutter hatten wie der Teilnehmer, und alle anderen, zu denen Halbbrüder und -schwestern mit dem gleichen Vater genauso gehörten wie Stief- und Adoptivgeschwister. Außerdem sollten die Probanden angeben, mit welchen ihrer Geschwister sie wie lange in einem Haushalt hatten. Das Ergebnis: Nur die Anzahl der älteren Brüder mit der gleichen Mutter beeinflusste die Wahrscheinlichkeit für eine homosexuelle Orientierung. Das galt selbst für die Brüder, mit denen die Teilnehmer nie zusammengelebt hatten. Alle anderen getesteten Faktoren hatten dagegen keinen Einfluss.

Damit werde die Idee einer vorgeburtlichen Prägung im Mutterleib, etwa durch eine zunehmende Immunreaktion, stark gestützt, schreibt Bogaert. Sollte diese These stimmen, müssten auch die Schwangerschaften mit männlichen Kindern dazu beitragen, die beispielsweise durch eine Fehlgeburt vorzeitig beendet wurden. Das müsse in weiteren Studien untersucht werden, so der Forscher.

Anthony Bogaert (Brock University, St. Catharines): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0511152103 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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