Kupfersulfat wirkt tödlich auf brasilianische Wildbienen Biolandbau: Tödliches Kupfer? - wissenschaft.de
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Kupfersulfat wirkt tödlich auf brasilianische Wildbienen

Biolandbau: Tödliches Kupfer?

Wildbiene
Auch gefährdet? Eine heimische Wildbiene auf Giersch. (Foto: Silvia Hahnefeld/ Fotolia)
Von wegen bienenverträglich: Das auch im Biolandbau und im Weinbau eingesetzte Kupfersulfat ist zumindest für brasilianische Wildbienen überraschend tödlich. In einem Experiment tötete eine gängige Dosis eines kupferhaltigen Blattdüngers diese Bienen schneller als ein Insektizid.

Kupfersalze sind schon seit dem 19. Jahrhundert ein traditionelles Mittel gegen Pilzkrankheiten in der Landwirtschaft und im Weinbau und werden auch häufig als Blattdünger eingesetzt. Auch im ökologischen Landbau nutzt man Kupfersulfat und andere Verbindungen bis heute – wenngleich in etwas geringeren Mengen als im konventionellen Anbau. So dürfen bei Bioland beispielsweise maximal drei Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr ausgebracht werden. Dies soll vor allem bei Wein, Gemüse, Hopfen und Obst gegen Mehltau, Schorf oder Krautfäule schützen.

Test an brasilianischer Wildbiene

Bisher galten die Kupfersalze als ungefährlich für Bienen. Doch nun schlagen brasilianische Forscher Alarm: Sie haben in ihren Experimenten überraschend deutliche Hinweise darauf entdeckt, dass das vermeintlich biologisch vertretbare Kupfersulfat durchaus eine Gefahr für Bienen darstellt. „Dies könnte weitreichende Bedeutung für die Nutzung dieses Salzes als Blattdünger und Fungizid haben“, so Cleiton Rodrigues von der Universität Vicosa und seine Kollegen.

Für ihr Experiment ließen die Biologen fünf Völker der in Brasilien heimischen Bienenart Friesella schrottkyi in Versuchskammern fliegen. Diese stachellose Wildbiene ist einer der wichtigsten Bestäuber in dieser Region. Als Futter diente Zuckerlösung, die mit einer handelsüblichen Kupfersulfatlösung oder einem ebenfalls gängigen Blattdünger, der aus einer Mischung von Mikronährstoffen besteht, versetzt waren. Die Konzentration entsprach dabei derjenigen, die beim Einsatz im Freiland üblich ist. Als Kontrolle erhielten einige Bienen Zuckerlösung mit dem für sie giftigen Insektizid Spinosad.

Überraschend tödlich

Das Ergebnis war besorgniserregend: „Was wir nicht erwartet hatten war die hohe Toxizität von Kupfersulfat auf die Bienenarbeiterinnen“, berichten Rodrigues und seine Kollegen. Nahmen die Bienen den Blattdünger mit dem Futter auf, starben alle innerhalb von 72 Stunden. „Das ist doppelt so schnell wie bei dem bekanntermaßen giftigen Spinosad“, so der Forscher.

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Weniger schädlich wirkte das Kupfersulfat bei bloßer Berührung: Liefen die Bienen über eine Glasscheibe, die mit dem Blattdünger besprüht war, stieg ihre Atmung an und sie fraßen mehr, ihre Sterblichkeit war jedoch geringer als beim Spinosad. „Die Kupferaufnahme über die Kutikula scheint demnach weniger bedeutend zu sein als die Aufnahme über die Nahrung wie beispielsweise kontaminiertem Pollen oder Nektar“, sagen die Biologen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass der Kontakt mit Kupfersulfat für die Bienen harmlos ist, wie die Forscher betonen. „Weil das Kupfer die Futteraufnahme stark erhöhte, führt dies dazu, dass die Arbeiterinnen auch mehr kontaminierte Nahrung zu sich nehmen“, erklären sie. „Solche sublethalen Effekt sind bisher bei schwermetallhaltigen Blattdüngern kaum untersucht worden.“

Schadwirkung unterschätzt

Nach Ansicht der Biologen wurde die Gefährlichkeit von vermeintlich bienenverträglichen Blattdüngern wie Kupfersulfat bisher unterschätzt. Denn zumindest für die stachellosen Wildbienen Brasiliens ist dieses Mittel ganz offensichtlich schädlich. „Das könnte auch für andere stachellose Wildbienen gelten und damit ihre Funktion als wichtige Bestäuber stören“, so Rodrigues. In Brasilien ist Friesella schrottkyi ein effektiverer Bestäuber als die Honigbiene.

„Wenn es um die Gefährdung von Bienen durch die Landwirtschaft geht, müssen wir weiter schauen als nur auf die Pestizide“, sagen die Forscher. „Blattdünger sollten angesichts ihrer möglichen Wirkung auch auf andere Bestäuber intensiver untersucht werden.“

Quelle: Entomological Society of America, Fachartikel: Journal of Economic Entomology, doi: 10.1093/jee/tow044

© natur.de – Nadja Podbregar
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