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Blaue Riesen erholen sich

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Fluke eines kalifornischen Blauwals (thinkstock)
Gute Nachricht aus dem Reich der Meere: Die Population der kalifornischen Blauwale hat sich von den Folgen des Walfangs erholt – und nun beinahe wieder ihr historisches Level erreicht. In den letzten Jahren haben sich die Meeressäuger jedoch nur noch langsam vermehrt. Forscher vermuten: Nicht etwa die Schiffskollisionen, durch die regelmäßig Wale verenden, sind schuld daran. Offensichtlich hat die Population schlicht ihre natürliche Obergrenze erreicht.

Die Beobachtungen des US-amerikanischen Forscherteams um Cole C. Monnahan von der University of Washington in Seattle sind einzigartig. Bisher ist von keiner anderen Blauwal-Population bekannt, dass sie sich fast vollständig von den Zeiten des Walfangs erholt hat. Trotz ihrer enormen Körpergröße und Geschwindigkeit wurden die größten und schwersten Tiere, die jemals auf unserer Erde gelebt haben, ab Mitte des 19. Jahrhunderts exzessiv bejagt – und dabei fast ausgerottet.

Neue Daten, die Monnahan und seine Kollegen bereits im Frühsommer veröffentlichten, zeigen: Zwischen 1905 und 1971 fielen 3.400 kalifornische Blauwale Walfängern zum Opfer. Im Vergleich zu den 346.000 Blauwalen, die in der gleichen Zeitspanne in der Antarktis gefangen wurden, klingt das zunächst nicht viel. Doch die Population der kalifornischen Blauwale ist vergleichsweise klein. Die Tiere leben im östlichen Teil des Nordpazifiks, unabhängig von den Populationen im westlichen Nordpazifik, im Nordatlantik und in der südlichen Hemisphäre. Heute zählen sie etwa 2.200 Individuen. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler sind das ungefähr 97 Prozent des historischen  Bestandes. „Das Beispiel der kalifornischen Blauwale macht deutlich, dass Blauwal-Populationen in der Lage sind, sich unter sorgfältigen Schutzmaßnahmen zu regenerieren“, so Monnahan.

Wachstumsstopp ein gutes Zeichen

Zuletzt schien sich diese Erfolgsgeschichte jedoch dem Ende zuzuneigen: Die Zahl der Wale wuchs plötzlich nur noch sehr langsam. Um die Ursachen dafür zu identifizieren, hat das Team um Monnahan mithilfe eines Modells die Entwicklung der kalifornischen Blauwal-Population im Verlauf der Zeit nachvollzogen. Dabei betrachteten die Forscher unter anderem auch den Einfluss von Schiffskollisionen, die für die Wale regelmäßig tödlich enden. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachblatt Marine Mammal Science publiziert. Nicht etwa die Kollisionen sind demnach verantwortlich für den Wachstumsstopp. Offensichtlich hat die Population schlicht die natürliche Obergrenze an Individuen erreicht, die der Lebensraum beherbergen kann. „Wir glauben, viel mehr Blauwale kann das System einfach nicht aufnehmen“, so das Team.

Zwar stoßen entlang der Westküste der USA jedes Jahr etwa elf Blauwale mit Schiffen zusammen und verenden – die Zahl liegt damit weit über der von der US-Regierung durch den sogenannten „Marine Mammal Protection Act“ erlaubten Grenze von 3,1 Walen pro Jahr. Damit diese Kollisionen jedoch die positive Entwicklung der Walpopulation direkt gefährden, müssten elfmal so viele Schiffe vor der Westküste unterwegs sein, schreiben die Forscher. Auch andere Faktoren wie Lärmbelästigung oder Umweltverschmutzung beeinflussten die Tiere, seien bisher aber keine entscheidenden Hemmfaktoren.

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Dass die Walpopulation im östlichen Nordpazifik nur noch langsam wächst, ist also ein positives Zeichen. „Trotzdem muss der Schutz der Wale weiter vorangetrieben werden“, betont Mohannan. „Die kalifornischen Blauwale konnten sich nur erholen, weil wir die Jagd gestoppt haben und die Tiere seitdem kontinuierlich beobachten.“

Quelle:

© wissenschaft.de – Daniela Albat
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