Blutplättchen vermehren sich selbst - wissenschaft.de
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Blutplättchen vermehren sich selbst

Die für die Blutgerinnung zuständigen Blutplättchen haben eine bislang unbekannte, überraschende Fähigkeit: Sie können sich vermehren ? und das, obwohl sie weder einen Zellkern noch die im Allgemeinen darin enthaltene Erbsubstanz besitzen. Das hat jetzt ein Team aus deutschen, US-amerikanischen und kanadischen Forschern bei der Untersuchung von Blutproben entdeckt. Normalerweise entstehen die auch Thrombozyten genannten Zellen im Knochenmark, wo sie sich von gigantischen Vorläuferzellen abschnüren und dann in den Blutkreislauf eintreten. Sollte sich nun herausstellen, dass sich die Blutplättchen nicht nur im Labor, sondern auch im Körper vermehren, würden sich ganz neue Ansätze für die Bekämpfung von Gerinnungsstörungen aller Art ergeben.

Blutplättchen sind die kleinsten Blutzellen. Sie haben eine Lebenserwartung von neun bis elf Tagen und erfüllen in dieser Zeit vor allem eine Aufgabe: das Verschließen von Wunden. Dazu heften sie sich entweder an die Ränder eines verletzten Bereichs oder lagern sich zusammen, um so sozusagen das Leck zu stopfen. Aufgrund dieser Funktion gelten die Blutplättchen auch als Schlüsselfaktoren bei verschiedenen Blutgerinnungsstörungen: Sind die Thrombozyten zu wenig aktiv oder gibt es zu wenige, können Blutungen auftreten. Nehmen sie hingegen überhand, kann es zu unerwünschten Verklumpungen und damit beispielsweise zu Schlaganfällen kommen.

Da die Plättchen keinen Zellkern und ? abgesehen von der Erbsubstanz in ihren Zellkraftwerken, den Mitochondrien ? keine DNA besitzen, wurde ihnen bislang die Fähigkeit zur Vermehrung abgesprochen. Als Schwertz und seine Kollegen nun jedoch isolierte Blutplättchen im Labor beobachteten, erlebten sie eine Überraschung: Bereits nach sechs Stunden in der Kulturflasche bildeten etwa fünf Prozent der Plättchen lange, fadenartige Auswüchse, an denen wie Perlen an einer Schnur neue Zellen heranwuchsen. Diese neuen Plättchen unterschieden sich weder in ihrer Größe noch in ihren biochemischen Eigenschaften von den Eltern-Zellen, zeigten weitere Tests. Auch ihre Funktionsfähigkeit schien völlig identisch zu sein. Zudem bildeten sich die neuen Plättchen nicht nur unter den ursprünglichen Laborbedingungen, sondern auch in einer Vollblutkonserve und sogar in bereits länger gelagerten Thrombozytenproben, die für eine Transfusion vorgesehen waren.

Zwar haben die Forscher bisher noch nicht nachweisen können, dass die Plättchen-Vermehrung auch im Blutkreislauf selbst stattfindet. Sie halten das jedoch für sehr wahrscheinlich, da das gleiche Phänomen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen auftrat. Zudem würde es erklären, wie die sehr begrenzte Anzahl an blutbildenden Stammzellen im Knochenmark es schafft, die große Thrombozytenpopulation im Blut aufrechtzuerhalten.

Hansjörg Schwertz (University of Utah, Salt Lake City) et al.: Blood, doi: 10.1182/blood-2009-08-239558 ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
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