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BSE von der Weide? Experten sind skeptisch

Alarmiert, aber skeptisch haben Experten und Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke auf die These reagiert, der BSE-Erreger könne auch über Böden und Weiden übertragen werden.

Funke forderte am Donnerstag schnellstmögliche Aufklärung angesichts entsprechender Erkenntnisse des Wissenschaftlichen Beirates Bodenschutz der Bundesregierung. Dessen Vorsitzender Hans- Willi Thoenes hatte von einem „hinreichenden Verdacht“ gesprochen, dass der Erreger langfristig in Böden überdauere. Der SPD-Minister sprach sich dafür aus, Flächen des schleswig- holsteinischen Betriebes in Hörster für Forschungszwecke zu pachten, auf dem die erste BSE-Kuh in Deutschland entdeckt wurde. Zugleich verwies er aber auch auf andere wissenschaftliche Meinungen, wonach Prionen – das sind Eiweiße, die sich bei BSE krankhaft verändern – nicht von Pflanzen aufgenommen werden.

Auch nach Ansicht des Münchner BSE-Experten Hans Kretzschmar wird der Erreger nicht über Weiden und Böden weitergegeben. Dafür gebe es bisher keinen Hinweis, sagte der Leiter des Instituts für Neuropathologie an der Universität München im „DeutschlandRadio Berlin“. „Wenn das wirklich so wäre, dann würde man erwarten, dass in Großbritannien zahlreiche Tiere erkrankt sind, weil sie sich über die Weiden angesteckt haben. In der Tat ist es aber so, dass es sehr viele Tierherden in Großbritannien gibt, in denen immer nur ein oder zwei Tiere erkrankt sind.“

Für sehr unwahrscheinlich hält auch der Experte Bernd Haas von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten (Tübingen) eine Übertragung des BSE-Erregers über Böden. „Diese Hypothese ist eine Spekulation – mehr nicht“, sagte der Tierarzt. Er erinnerte daran, dass die verwandte Krankheit Scrapie bei einigen Schafen auf Island über die Nachgeburt übertragen worden sei. Bei Rindern fehle aber bisher jeder Nachweis, dass BSE-Erreger über den Kot oder die Nachgeburt weitergegeben worden sei.

Für eine Übertragung von BSE-Erregern über Böden sieht das Robert Koch-Institut (Berlin) ebenfalls keine Hinweise. In Großbritannien seien von der Viruskrankheit immer nur zwei oder drei Rinder einer Herde betroffen gewesen, sagte die Sprecherin des Instituts, Susanne Glasmacher.

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„Ein rein theoretisches Risiko“ sieht der Präsident der Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten, Hans-Wilhelm Doerr, mit Blick auf einen möglichen dritten Übertragungsweg. Doerr warnte im NDR 4 vor Panik und bezeichnete die Sperrung von Grasflächen als verfehlt. Deutschland werde nicht mehr BSE-Fälle unter Rindern haben als die Schweiz. Dort seien schon etliche Erkrankungen aufgetreten, aber es habe keine Epidemie gegeben wie in England.

Die Schweizer selbst haben keine Studien darüber, dass BSE möglicherweise über Dünger übertragen werden könnte. Allerdings wird als Vorsichtsmaßnahme die Düngemittelverordnung angepasst: Wenn das Tiermehlverbot am 1. März in Kraft tritt, soll auch die Düngemittelverordnung so geändert werden, dass kein Knochenmehl zur Düngerherstellung mehr verwendet werden darf.

In der Gemeinde Hörsten in Schleswig-Holstein wurden indes auf dem vom ersten BSE-Fall betroffenen Hof Bodenproben entnommen. Sie sollen im Landesamt für Natur und Umwelt untersucht werden. Nach welcher Methode das Material – darunter Sand, Kleie und Torf – untersucht werden soll, weiß noch niemand.

dpa
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