Buchstäblich blendend schön im Mondlicht - wissenschaft.de
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Buchstäblich blendend schön im Mondlicht

Warum sind nicht alle Schleiereulen dunkel gefärbt? (Bild: Naeem Khan/iStock)

Geheimnisvolle Schönheiten der Nacht: Das helle Gefieder der Schleiereulen erstrahlt geradezu im Licht des Mondes. Doch warum „kleiden“ sich die Jägerinnen denn so auffällig? Sie setzten gleichsam auf das Gegenteil von Tarnung, berichten Forscher: Die Lichtgestalt der Schleiereulen versetzt nachtaktive Beutetiere offenbar in eine Art Schockstarre, sodass die Raubvögel sie leichter schnappen können.

Bunte Vögel, Zebras, Schmetterlinge… Wieso besitzen manche Tiere so erstaunlich wirkende Farben und Muster? Dafür kann es eine ganze Reihe von Gründen geben: Einige Tiere – wie etwa grüne Frösche im Laub – tarnen sich durch ihre Farben und Muster, um mit dem Hintergrund zu verschwimmen und so dem Blick von Räubern oder Beutetieren zu entgehen. Manche Arten machen sich hingegen sogar extra auffällig, um Feinde zu erschrecken oder zu verkünden: Friss mich nicht – ich bin giftig! Daneben gibt es auch Farben, Zeichnungen und Strukturen, die der innerartlichen Kommunikation oder der Partnerwahl dienen, wie etwa das beeindruckende Gefieder des Pfaus. Diesen vielfältigen Funktionen von äußerlichen Merkmalen bei Tieren haben die Forscher um Luis San-Jose von der Universität von Lausanne nun ein weiteres interessantes Beispiel hinzugefügt.

Warum gibt es dunkle und helle Eulen?

Im Fokus ihrer Studie stand ein prominentes Tier der Nacht: die Schleiereule (Tyto alba). Viele Menschen empfinden diesen charismatischen Vogel als ausgesprochen schön. In einigen Bereichen wirkt das Federkleid der Schleiereulen wie perlenbestickte Seide – im Kontrast dazu ist das Gesicht und der Frontbereich des Vogels oft einfarbig gestaltet. Interessant

Bei Schleiereulen gibt es hell und dunkel gefärbte Exemplare. (Bild: Alexandre Roulin)

erweise gibt es bei der Farbe beziehungsweise Helligkeit des Gefieders zwei deutlich unterschiedliche Versionen bei den Schleiereulen: Viele besitzen strahlend weiße Federn im Gesichts- und Brustbereich. Es gibt aber auch einige Individuen, die dort ein vergleichsweise dunkles – rötlich-braunes Gefieder aufweisen. Im Rahmen ihrer Studie sind die Forscher nun der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Farbgebung auf den Jagderfolg der Tiere bei bestimmten nächtlichen Lichtverhältnissen auswirkt.

Dazu erfassten sie über viele Jahre hinweg an Nestern von dunklen und hellen Eulen, mit wie viel Beute die unterschiedlich gefärbten Tiere ihre Jungen bei verschieden Mondphasen versorgen konnten. Es zeigte sich: Bei Vollmond haben die dunkel gefärbten Schleiereulen einen deutlich geringeren Jagderfolg als ihre leuchtend hellen Artgenossen. Dies erscheint erstaunlich: Man könnte annehmen, dass die hellen Vögel im Mondlicht für Beutetiere besonders sichtbar werden, wohingegen die dunklen Tiere von einem Tarneffekt profitieren könnten.

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Im Bann der Lichtgestalt

Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, führten die Wissenschaftler Experimente mit ausgestopften hellen und dunklen Eulen durch. Sie befestigten diese Attrappen an Leinen und ließen sie dann bei Mondlicht auf Feldmäuse sausen, um einen Angriff zu simulieren. Dabei erfassten sie das Verhalten dieser Hauptbeutetiere der Schleiereulen durch Videoaufnahmen. So konnten sie nachweisen: Das leuchtende Erscheinungsbild der hell gefiederten Eulen im Mondlicht versetzte die Nager in eine kurze Schockstarre. Wie sie erklären, liegt dies vermutlich daran, dass Feldmäuse nachts Licht meiden. Bei einem plötzlichen Lichteffekt führt dies dann zu einem kurzen Einfrieren ihrer Bewegung. Diesen Effekt können die Schleiereulen nutzen, um das Beutetier mit den Krallen zu fassen, erklären die Forscher.

Vor dem Hintergrund dieses Vorteils stellt sich abschließend allerdings die Frage, warum nicht alle Eulen gleichermaßen hell gefärbt sind. Die Wissenschaftler vermuten, dass das helle Gefieder durchaus auch Nachteile haben kann, denn es bietet nur in hellen Mondnächten einen Vorteil. Bei anderen Lichtverhältnissen werden die hellen Tiere möglicherweise leichter von Feinden oder Konkurrenten erspäht – wie etwa von Krähen. Aus diesem Grund könnten sich beide Farbversionen bei den Schleiereulen etablieren haben, vermuten die Forscher.

Quelle: Nature, doi :10.1038/s41559-019-0967-2

 

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