Chaotisch und doch geordnet - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Chaotisch und doch geordnet

Im roten Meer lebende Ziegenfische tun alles in der Gruppe, berichtet ein israelisches Forscherteam in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ (Bd. 6, S. 83). Die einzelnen Fische bewegen sich fast immer synchron mit ihren Artgenossen. Dadurch könnten sie möglicherweise mehr Beute fangen, vermuten die Wissenschaftler.

Ziegenfische (Parupeneus forskalii) schwimmen in Gruppen von etwa zwölf Tieren. Ohne erkennbaren Grund stoßen alle zusammen in einem bestimmten Moment zum Meeresboden und durchwühlen den Sand auf der Suche nach Würmern und Schalentieren.

So kann jeder Fisch noch Beute erwischen, die einem seiner Artgenossen bereits durch die Lappen gegangen ist. Selbst Fische, die sich in zwei Meter entfernt stehenden Aquarien aufhalten, ahmen dieses Verhalten nach, stellten die Forscher um Lewi Stone von der Universität in Tel Aviv fest. Offensichtlich gelingt ihnen dies durch Blickkontakt: Wenn sie einander nicht sehen können, sind ihre Bewegungen nicht mehr synchron.

Auffällig am Verhalten der Ziegenfische ist, dass sie sich zwar gemeinsam bewegen, dabei aber keinem regelmäßigen Muster folgen. Das Fress- und Ruheverhalten der Tiere erfülle eher bestimmte Kriterien der Chaostheorie, meint Stone. Ein einfacher Vorgang könne komplizierte und unvorhersagbare Bewegungsmuster nach sich ziehen. Es ist den Wissenschaftlern bislang nicht klar, wie die Fische entscheiden, welche Bewegung als nächstes folgt. Der Schwarm wird auch nicht von einem einzelnen Fisch angeführt, stattdessen steuern alle gemeinsam in eine bestimmte Richtung.

Synchrones Verhalten gibt es zwar auch bei anderen Tierarten. Glühwürmchen zum Beispiel leuchten gemeinsam, und manche Meerestiere laichen im Schwarm. Doch diese Tiere folgen geregelten, vorhersagbaren Verhaltensmustern.

Anzeige

Einige Forscher bezweifeln jedoch, ob das Verhalten der Ziegenfische wirklich durch die Chaostheroie zu erklären ist. Vielleicht entstünden die Bewegungen auch einfach nur zufällig, gibt ein Kollege der Forscher zu bedenken.

ddp/bdw – Cgristine Amrhein
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Zell|li|nie  〈[–nj] f. 19; Genetik〉 Zellen eines Organismus, die so verändert sind, dass sie in unbegrenzter Anzahl in Kultur wachsen können

ho|möo|tisch  〈Adj.; Genetik〉 gleichartig, ähnlich ● ~es Gen übergeordnetes Gen, das die Differenzierung von Zellen u. Geweben während der (embryonalen) Entwicklung steuert, indem Gengruppen aktiviert od. gehemmt werden; ... mehr

Flamm|ofen  〈m. 4u〉 metallurg. Schmelzofen, bei dem die Flammen über einen verhältnismäßig flachen Herd streichen, der die zu schmelzende Masse enthält

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige