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Chemisch getarnte Lauerjäger

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Puffottern sind nicht nur optisch gut getarnt (Foto: EcoPic/iStock)
Die Puffotter macht es sich leicht: Regungslos wartet sie, bis eine schmackhafte Beute auftaucht. Damit sie dabei jedoch nicht selbst gefressen wird, nutzt sie eine raffinierte Doppeltarnung: Sie macht sich nicht nur per Tarnfärbung unsichtbar, sondern verbirgt sich auch vor nach Beute schnüffelnden Räubern, indem sie ihren Körpergeruch fast komplett unterdrückt. Im Experiment schafften es weder Hunde noch Meerkatzen, die Puffottern per Duft zu erkennen. Dies ist der erste Beleg für eine solche chemische Tarnung bei einem landlebenden Wirbeltier, wie die Forscher berichten.

Die in Afrika heimischen Puffottern (Bitis arietans) sind typische Lauerjäger: Die eher gedrungenen, nachtaktiven Vipern verbringen den größten Teil ihrer Zeit bewegungslos im Versteck. Durch ihr bräunlich-graues Schuppenmuster gut getarnt, warten sie, bis ein Nagetier, ein Vogel oder ein anderes passendes Tier in ihre Reichweite kommt. Erst dann schnellen sie vor und schlagen ihre Giftzähne in die Beute. So weit, so effektiv. Doch das Ganze hat einen Haken: „Während sie auf Beute warten, sind die Lauerjäger selbst in Gefahr, ihrerseits von Prädatoren entdeckt zu werden“, erklären Ashadee Miller und ihre Kollegen von der Universität Witwatersrand in Johannesburg. Die Tarnfärbung dient daher meist ebenso als Tarnung vor der Beute als auch dem Schutz vor solchen Angriffen. Doch gerade die Puffotter hat viele Fressfeinde, die nicht mit den Augen jagen, sondern nach dem Geruch – und vor denen schützt eine Tarnfarbe wenig.

Für Schnüffeljäger unsichtbar

Miller und ihre Kollegen wollten daher wissen, ob und wie sich die Puffotter vor solchen geruchsorientierten Feinden schützt. Für ihren Versuch ließen sie gleich zwei verschiedene Schnüffelnasen den Test machen: Hunde und Meerkatzen. Beide Tierarten gelten als besonders begabte Geruchsjäger und von beiden ist bekannt, dass sie im Freiland auch Schlangen fressen. Im Experiment wurden sowohl Hunde als auch Meerkatzen zunächst darauf trainiert, anzuzeigen, wenn sie bei einer Duftprobe Schlangenduft erschnüffelt hatten. Die Duftproben bestanden aus sterilen Tüchern, die jeweils 40 Minuten lang in Kontakt mit einer Schlange, dem Boden oder der abgelegten Schlangenhaut gewesen waren. Neben der Puffotter testeten die Forscher auf diese Weise auch fünf andere Schlangenarten, die keine Lauerjäger sind, sondern ihre Beute aktiv verfolgen und erjagen.

Das erstaunliche Ergebnis: Sowohl die Hunde als auch die Meerkatzen hatten keine Probleme, den Geruch der fünf aktiv jagenden Schlangen zu erkennen – die Puffottern jedoch erkannten sie nicht. „Die Hunde zeigten den Geruch der aktiv jagenden Schlangen mit mehr als 80-prozentiger Treffsicherheit an“, berichten die Forscher. Bei den Puffottern landeten die Hunde jedoch nur Zufallstreffer. Ähnlich sah es bei den Meerkatzen aus: Sie konnten Kontrollen mit bloßem Bodenduft nicht vom Duft der Puffottern unterscheiden. Nach Ansicht von Miller und ihre Kollegen spricht dies dafür, dass die Puffottern nicht nur optisch, sondern auch chemisch gut getarnt sind. Offenbar geben sie so wenig Körpergeruch ab, dass die feinen Nasen von Prädatoren diesen nicht wahrnehmen können. Ob diese Tarnung auch gegenüber den Beutetieren hilft, haben die Forscher nicht explizit getestet. Es spricht ihrer Ansicht nach aber einiges dafür: „Unseren Beobachtungen nach blieben Nagetiere völlig unbeeindruckt und bemerkten den Lauerjäger nicht,  selbst wenn sie die Puffottern berührten“, berichten sie.

„Unseres Wissens nach ist dies der erste Beleg für eine chemische Tarnung bei einem landlebenden Wirbeltier“, konstatieren Miller und ihre Kollegen. Ihre Ansicht nach könnte diese Strategie aber gerade bei Lauerjägern deutlich verbreiteter sein als bisher angenommen – man hat bis jetzt einfach nur nicht gezielt danach gesucht. Wie die Puffotter es schafft, ihren Körpergeruch so effektiv zu unterdrücken, ist noch unklar. Ihre Trägheit und ihr niedriger Stoffwechsel könnten aber dazu beitragen, die Ausdünstung von flüchtigen Molekülen zu verringern, so die Forscher. Die chemische Tarnung scheint aber nur bei der lebenden Schlange zu funktionieren. Denn als die Wissenschaftler den Hunden Duftproben von abgeworfener Puffotter-Haut vorsetzten, erkannten sie diese auf Anhieb als „Schlange“. Das könnte auch erklären, warum sich Puffottern nie lange am Ort ihrer Häutung aufhalten: Es riecht einfach zu verräterisch.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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