„Chipstüten-Effekt" bei Fledermäusen - wissenschaft.de
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„Chipstüten-Effekt“ bei Fledermäusen

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Rhinopoma microphyllum. Credit: Jens Rydell
Mit Echolot flattern sie gewandt durch die Finsternis und schnappen sich Nachtinsekten direkt aus der Luft: Fledermäuse sind für ihre raffiniertes Schall-Ortungssystem berühmt. Wie Forscher nun berichten, besitzt es eine kurios wirkende Eigenschaft: Die Ortungs-Rufe von Fledermäusen haben eine Art „Chipstüten-Effekt“ auf die Fledermaus-Gesellschaft. Sie verbreiten die verlockende Botschaft „hier wird geschmaust“. Wenn eine Fledermaus demnach einen Schwarm Insekten entdeckt hat und zu jagen beginnt, hören dies ihre Artgenossen und fliegen zu der üppigen Futterquelle, um sie gemeinschaftlich auszubeuten.

„Wenn in einem dunklen Kino jemand Chips knuspert, weiß jeder, dass da gerade gegessen wird und auch ungefähr wo im Raum“, sagt Yossi Yovel von der Universität Tel Aviv. „Bei Fledermäusen gibt es einen ähnlichen Effekt“, beschreibt der Biologe die Beobachtung. Allerdings kommt im Kino dann nicht die ganze Gesellschaft zusammen und macht sich über die Chipstüte her – bei den Fledermäusen ist aber offenbar genau das der Fall.

Flatternder Ultraschall-Sensoren bilden ein Überwachungsnetz

Die Forscher haben dieses Verhalten bei Mausschwanzfledermäusen der Art Rhinopoma microphyllum entdeckt, die in Teilen Afrikas, des nahen Ostens und Asiens beheimatet sind. Der „Chipstüten-Effekt“ erweitert den Forschern zufolge den Scan-Radius dieser Fledermäuse enorm: Ein einzelnes Tier kann mit seiner Ultraschall-Ortung nämlich nur ein Insekt in bis zu zehn Metern Abstand detektieren. Die Jagdrufe von Artgenossen hören sie hingegen über weite Strecken hinweg. Diese speziellen Schreie unterscheiden sich von denen bei der Orientierung im Raum: Beim gezielten Jagdanflug auf ein Insekt stoßen Fledermäuse zur höheren Auflösung dichte Impulsfolgen aus.

Bei ihren großräumigen Jagdzügen haben es die Mausschwanzfledermäuse besonders auf geflügelte Ameisenkönigen abgesehen, berichten die Forscher. Diese Beutetiere gibt es zwar in enormen Mengen – sie konzentrieren sich aber auf lokale Schwärme. Das macht den „Chipstüten-Effekt“ für die sozial lebenden Flattertiere besonders effektiv: Er macht die Gemeinschaft zu einer Art Netzwerk aus einzelnen Sensoren. Auf die anderen zu hören, erhöht dabei für jedes einzelne Tier die Chance auf einen vollen Magen.

Flattermänner mit Forschungsgepäck

Grundlage der Forschungsergebnisse war eine clevere Technik: Für ihre Studie haben die Wissenschaftler einen Mini-GPS-Rucksack für Fledermäuse entwickelt, der neben Bewegungsinformationen auch die Ultraschalllaute der Tiere aufnehmen kann. Die Geräte fallen nach etwa einer Woche von selbst wieder von den Tieren ab und können von den Forschern eingesammelt werden. Bei den Datenauswertungen wurde so das charakteristische Muster im Verhalten der Fledermäuse deutlich. Dem zugrundeliegenden Prinzip gaben die Forscher dann schließlich den humorvollen Spitznamen „Chipstüten-Effekt“.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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