Clevere Hühnchen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Clevere Hühnchen

Frischgeschlüpfte Hühnerküken können realistische von unrealistischen Abbildungen unterscheiden. Das schließen italienische Wissenschaftler aus einem Verhaltensexperiment mit Küken, denen sie zwei Zeichnungen eines Würfels aus Balken präsentierten. Auch ohne jede visuelle Erfahrung näherten sich die Tiere häufiger dem Abbild, das perspektivisch korrekt gezeichnet war. Dies zeige, dass Hühner von Geburt an räumliche Tiefe in Bildern erkennen und dreidimensionale Konzepte logisch erfassen können, schreiben die Wissenschaftler.

Um in Zeichnungen Tiefe zu erkennen, nutzt das Gehirn von Wirbeltieren verschiedene Hinweise: etwa Schatten, sich überlagernde Flächen oder zusammenlaufende Linien. Verdeckt zum Beispiel eine Eiche teilweise ein Haus, schlussfolgert das Gehirn, dass der Baum vor dem Gebäude wächst. Wiedersprechen sich die Anhaltspunkte jedoch, entsteht eine sogenannte „unmögliche Figur“, wie sie der Künstler M. C. Escher vielfach gezeichnet hat. Frühere Studien haben nahegelegt, dass bereits vier Monate alte Babys solche unmöglichen von möglichen Objekten unterscheiden können. Unklar war bislang allerdings, ob auch Tiere dazu in der Lage sind und ob diese Fähigkeit angeboren ist, oder erst durch visuelle Erfahrungen entwickelt werden muss.

Das Forscherteam führte dazu Versuche mit 157 Haushühnerküken durch. Als Testmaterial verwendeten die Versuchsleiter zwei plastische Zeichnungen eines Würfels aus Balken. Bei der „möglichen“ Variante verdeckten die vorderen Kanten in den Schnittpunkten perspektivisch korrekt die weiter hinten im Bild liegenden Kanten. Widersprüchlich waren die Tiefenhinweise dagegen bei der „unmöglichen“ Variante: Zwei der hinteren Balken schienen vor zwei vorderen Balken zu liegen.

Zu Beginn der Testphase eines jeden Kükens setzten die Versuchsleiter das Tier in einen Käfig, an dessen einen Wand die beiden Würfelbilder mit Abstand nebeneinander aufgehängt waren. Die Forscher platzierten die Hühnerbabys mittig auf der gegenüberliegenden Käfigseite, so dass die Tiere auf die beiden Bilder blickten und von beiden Bildern gleich weit entfernt waren. In den folgenden sechs Minuten maßen die Wissenschaftler, wie lange sich die Küken jeweils in der Nähe des linken oder rechten Bildes oder der neutralen Wand aufhielten. Das Resultat: Die Küken bevorzugten die perspektivisch korrekten Würfelzeichnungen. Sie hielten sich deutlich häufiger in der Nähe des Würfels auf, der auch so in der Realität existieren könnte.

Den Forschern zufolge legen diese Ergebnisse nahe, dass eine Vorliebe für Abbildungen von real möglichen Objekten angeboren ist. Zudem seien die Gehirne der Hühner offenbar schon kurz nach Geburt in der Lage, flache Linien in dreidimensionale Bilder umzuwandeln und zu erkennen, ob eine räumliche Anordnung schlüssig ist.

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Lucia Regolin (University of Padova) et al: biology letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0051 dapd/wissenschaft.de – Hanna Drimalla
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