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Da fliegen Mücken drauf

Auf den ersten Blick ist der kleinen weißen Tonne aus Stoff mit dem schwarzen Stutzen in der Mitte nicht anzusehen, dass sie die Essenz jahrelanger Forschung ist. Gerät aber eine Mücke in die Nähe des Geräts, zeigt es seine inneren Qualitäten: Scheinbar magisch angezogen, steuert das Insekt auf den schwarzen Stutzen zu – und wird in den Behälter gesogen.

Das schwarz-weiße Gerät ist eine neuartige Mückenfalle. Sie lockt die Insekten mit einer Wolke aus Ammoniak, Fettsäuren und Milchsäure an – ein Gemisch, das den Menschen für Mücken unwiderstehlich macht, berichtete der Zoologe Martin Geier von der Universität Regensburg vor fünf Jahren in bild der wissenschaft (3/2001, „Die Tricks der sirrenden Biester“). Mit diesem Wissen eine Mücken-Superfalle zu bauen, war damals nur ein Gedankenspiel. Geier hat daraus Wirklichkeit gemacht.

„BG-Sentinel“ heißt das nur gut ein Kilogramm schwere, zusammenklappbare Gerät, dessen Entwicklung Geier und seine Kollegen im vergangenen Jahr abgeschlossen haben. Bereits vor drei Jahren gründeten die Regensburger ein florierendes Unternehmen namens BioGents, das neben der Fallenentwicklung auch Dienstleistungen anbietet, beispielsweise den Test neuer Mückenschutzmittel.

Die neue Falle simuliert laut Geier alles, was eine Mücke an einem Menschen interessiert: nicht nur den verlockenden Duft-Cocktail, sondern auch optische Reize und Luftströmungen, wie sie typischerweise ein ruhender Mensch erzeugt. „Der Ventilator in der Mitte der Falle saugt Luft nach innen. Von dort kann sie durch eine Gaze-Abdeckung nur nach oben entweichen“, erklärt Geier das Prinzip. Die nach oben strömende Luft nimmt Moleküle des Lockstoffs mit, der sich auf dem Boden der Falle befindet. Der Durchmesser der Tonne entspricht etwa dem eines menschlichen Körpers – ein laut Geier weiteres für Mücken attraktives Attribut.

500 Geräte haben die BioGents-Mitarbeiter bislang an ausgewählte Forschergruppen verschickt, noch 2006 soll die kommerzielle Nutzung anlaufen. Im Visier haben die Regensburger hauptsächlich Länder, in denen Mücken mehr als nur lästige Quälgeister sind. In Brasilien beispielsweise übertragen Tiger-Mücken (Aedes aegypti) Krankheiten wie das lebensbedrohende Dengue-Fieber. Um herauszufinden, wann großflächige Bekämpfungsmaßnahmen notwendig sind und ob Maßnahmen greifen, wird dort mit Fallen die aktuelle Dichte der Tiere bestimmt, erklärt Geier. Und da habe sich der Sentinel in ersten Feldversuchen besser bewährt als die herkömmlichen Fallen, die hauptsächlich Kohlendioxid als Lockstoff einsetzen.

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Eine Füllung des Duftgemischs reicht bis zu fünf Monate, der Stromverbrauch des Ventilators ist sehr gering. Außerdem vereinfacht der Verzicht auf Kohlendioxid die Wartung. Geier: „ Wenn man Kohlendioxid verwendet, muss man etwa ein Kilogramm am Tag einsetzen, denn so viel atmet ein Mensch im Durchschnitt aus. Dadurch entsteht ein Nachschubproblem.“

Die BioGents-Forscher bieten zwei verschiedene Lockstoffmischungen an: eine für den Einsatz im Haus und eine etwas konzentriertere für den Einsatz draußen. „Die Lockstoffe wirken auf eine Entfernung von etwa zehn Metern – dadurch braucht man nicht zu befürchten, dass man sämtliche Mücken aus der Nachbarschaft anlockt“, erklärt Geier.

Demnächst will BioGents auch eine Luxusvariante anbieten. Das Gerät namens „Flymoeli“ soll maßgeschneidert für jeden Kunden – beispielsweise große Hotels – in schickem Edelstahl- oder Aluminiumdesign ausgeführt werden. So was hat seinen Preis: Während der BG-Sentinel je nach Ausführung etwa 150 bis 200 Euro kosten wird, müssen für Flymoeli mehr als 2000 Euro auf den Tisch gelegt werden. „Dafür hält die Falle ein Leben lang“, tröstet Geier. Ilka Lehnen-Beyel ■

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