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Das ausgeklügelte Warnsystem der Meisen

Das Zwitschern der amerikanischen Schwarzkopfmeisen enthält viel mehr Informationen als bisher angenommen: Mit ihrem „Chick-a-dee-dee-dee“-Ruf warnen die Singvögel ihre Artgenossen nicht nur vor einem Feind, sondern geben auch gleich Auskunft über Größe und Gefahr des Räubers. Das haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden. Die Schwarzkopfmeisen haben damit eines der raffiniertesten Alarmsysteme im Tierreich.

Viele Tiere alarmieren ihre Artgenossen, wenn sich ein Feind in der Nähe aufhält. Doch bislang war nur wenig über den Inhalt dieser Warnsignale bekannt. In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler nun, wie die in Nordamerika heimische Schwarzkopfmeise Poecile atricapilla ihre Nestgefährten vor 13 Raubvögeln und zwei Säugern, darunter eine Katze, warnt. Die Räuber waren nicht nur unterschiedlich groß, sondern sie hatten auch verschiedene Aktivitätsmuster, Jagdstrategien und Speisepläne. Die kleinen Räuber fressen zum Beispiel vermehrt kleine Vögel wie Meisen, bei großen Räubern stehen diese jedoch nur selten auf dem Speiseplan.

Die Meisen reagierten auf jeden Räuber mit unterschiedlich vielen Alarmrufen, stellten die Forscher fest: Entdeckten die Schwarzkopfmeisen kleine Raubtiere, so gaben sie deutlich mehr Warnrufe von sich, als wenn sie durch große Räuber bedroht wurden. Doch nicht nur die Anzahl Rufe, sondern auch die Anzahl Silben pro Ruf hingen von der Art des Raubtiers ab. So benutzten die Meisen je nach Flügelspannweite der Raubvögel unterschiedlich viele D-Silben, stellten Templeton und seine Kollegen fest: Je kleiner die Flügelspannweite ? und damit auch der Raubvogel und die Gefahr ? desto öfter riefen die Schwarzkopfmeisen „dee“. Bis zu 23 „dees“ hängten die Vögel am Schluss des Rufs an. Dasselbe Muster konnten die Wissenschaftler auch bezüglich der Körperlänge der Räuber beobachten.

Einen Einfluss auf das Warnsignal der Meisen hatte auch, ob sich der Räuber bewegte oder ruhig am Boden beziehungsweise auf einem Ast saß, stellten die Forscher fest. So warnten die Meisen ihre Artgenossen vor fliegenden und sich schnell bewegenden Raubvögeln wie Eulen oder Falken mit einem weichen, hohen „seet“. Entdeckten die Singvögel jedoch einen Feind, der sich nicht bewegt, riefen sie ein lautes „Chick-a-dee“.

Auch die Reaktionen auf die verschiedenen Warnrufe waren unterschiedlich. Wurden die Meisen zum Beispiel vor einem kleinen und damit gefährlichen Raubtier gewarnt, versuchten sie gemeinsam, dieses zu vertreiben. Eine weitere Studie soll Aufschluss darüber geben, ob die Schwarzkopfmeisen zur Warnung vor verschiedenen fliegenden Raubvögeln unterschiedliche „seet“-Rufe abgeben.

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Christopher Templeton ( Universität von Montana, Missoula) et al.: Science, Bd. 308, S. 1934

ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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