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Das Börsengen

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Offenbar gibt es eine genetische Veranlagung für das Talent zum Finanzspekulant. Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Ein amerikanisch-französisches Forscherteam hat offenbar eine Art Börsenmakler-Gen gefunden: Es macht seine Träger besser darin, bei riskanten finanziellen Entscheidungen die richtige Wahl zu treffen. Dabei macht das Gen anscheinend nicht den Nervenkitzel per se attraktiv oder steigert die Impulsivität, sondern die Betreffenden scheinen schneller und auch besser entscheiden zu können, welche Option die vielversprechendste ist. Das Gen ist übrigens kein Unbekannter: Es hat bereits früher für Schlagzeilen gesorgt, weil es laut mehrerer, nicht unumstrittener Studien die Aggressionsbereitschaft steigert. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung könnten diese älteren Studien in einem neuen Licht erscheinen lassen, berichten Cary Frydman vom California Institute of Technology und seine Kollegen.

In den vergangenen Jahren seien immer wieder Berichte darüber aufgetaucht, dass bestimmte Gene die Risikobereitschaft eines Menschen beeinflussen, erläutern die Wissenschaftler. Im Fokus stehen dabei vor allem drei Erbgutregionen, die alle das Botenstoffgleichgewicht im Gehirn beeinflussen: eine trägt den Bauplan für einen Transporter des Neurotransmitters Serotonin, ein anderer kodiert eine Andockstelle für den Hirnbotenstoff Dopamin und der dritte enthält die Anleitung für ein Enyzm namens Monoaminooxidase A (MAOA), das am Abbau der verschiedensten Botenstoffe im Gehirn beteiligt ist, darunter auch das Noradrenalin. In allen Fällen gibt es verschieden Varianten des jeweiligen Gens, die die Spiegel der Hirnbotenstoffe jeweils auf eine bestimmte Weise beeinflussen.

Um den Einfluss dieser Gene auf die Risikobereitschaft testen zu können, rekrutierten die Wissenschaftler für ihre Studie 90 Freiwillige, von denen 63 in der abschließenden Analyse berücksichtigt wurden. Die Probanden wurden abhängig von den in ihrem Erbgut vorhandenen Genvarianten in Gruppen geteilt. Anschließend sollten sie an einem Computerspiel teilnehmen, in dem sie sich mehrfach zwischen einer sicheren und einer risikoreichen Finanztransaktion entscheiden mussten. Die Forscher verglichen dann, wie die Träger der unterschiedlichen Genvarianten jeweils entschieden und abgeschnitten hatten.

Ein Zusammenhang mit der Risikobereitschaft zeigte sich lediglich beim MAOA-Gen, erläutern die Forscher. Die Träger einer bestimmten Variante davon hätten eindeutig eher zum Spekulieren geneigt als die anderen. Mit Hilfe von Modellen aus der Wirtschaftsmathematik konnten sie zudem zeigen: Die Risikospieler wiesen den beiden Option nicht einfach nur unterschiedliche subjektive Werte zu und entschieden sich dann jeweils für die höherwertige. Sie waren auch besser und effektiver darin, diese zugewiesenen Werte zu erfassen und die jeweils optimale Lösung für den aktuellen Fall zu wählen.

Die Träger der betreffenden MAOA-Form haben ungewöhlich hohe Noradrenalin-Spiegel im Gehirn, erläutern die Forscher. Derartige Besonderheiten seien bereits früher mit einer Neigung zu Aktionen in Verbindung gebracht worden, die möglichst schnell viel Gewinn abwerfen. Doch auch der Botenstoff Dopamin könnte hinter dem beobachteten Effekt stecken, sagen die Wissenschaftler – schließlich beeinflusse MAOA auch dessen Spiegel. Was genau der entscheidende Faktor ist, soll in weiteren Untersuchungen getestet werden.

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Cary Frydman (California Institute of Technology) et al.: Proceedings of the Royal Society Bdoi: 10.1098/rspb.2010.2304 dapd/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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