Das Geheimnis der persönlichen Duftnote - wissenschaft.de
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Das Geheimnis der persönlichen Duftnote

Jeder Mensch besitzt einen einzigartigen Körpergeruch: Genau wie der persönliche Fingerabdruck ist auch die Zusammensetzung der Duftstoffe im Achselschweiß charakteristisch, hat nun ein internationales Forscherteam um Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung in Wien nachgewiesen. Dabei prägen sowohl die Zusammensetzung als auch die Mengenverhältnisse der Substanzen die persönliche Duftnote. Bei einigen der Duftstoffe, die die Forscher bereits identifizieren konnten, handelt es sich komplexe organische Substanzen, wie sie beispielsweise auch im Rosenöl vorkommen.

Für die Probanden ? insgesamt 197 Angehörige von 16 Großfamilien aus einem kleinen österreichischen Alpendorf ? bedeutete die Studie eine ganze Reihe an Unannehmlichkeiten: Fünfmal im Abstand von je zwei Wochen entnahmen ihnen die Forscher Schweiß aus den Achselhöhlen und parallel dazu Speichel- und Urinproben. Jeweils sieben Tage vor dieser Entnahme durften die Teilnehmer nur bestimmte unparfümierte Deos und Körperpflegeartikel benutzen, zwei Tage vorher mussten sie aufhören, sich die Achselhöhlen zu rasieren und in den letzten zwölf Stunden vor den Tests war auch das Waschen der Achselhöhlen tabu. Für die Probenentnahme selbst benutzten die Forscher ein speziell entwickeltes Verfahren, um möglichst wenig Verunreinigungen aus der Umgebung einzusammeln.

Im Achselschweiß fanden sich sehr viel mehr flüchtige Substanzen als in Speichel oder Urin, von denen insgesamt 373 ein typisches Verteilungsmuster bei einzelnen Individuen zeigte, ergab die Auswertung. Damit repräsentieren diese Substanzen eine Art chemischen Fingerabdruck der entsprechenden Probanden, so die Forscher. Zu den charakteristischen Stoffen gehörten unter anderem Verbindungen, die auch den Duft von Flieder, Zitrusfrüchten, Geranien, Nelken, Zimt oder Jasmin prägen. Neben den persönlichen Duftmustern konnten die Wissenschaftler auch Substanzmuster identifizieren, die typisch für Männer und Frauen waren.

Die Ergebnisse bestätigten die These, dass jeder Mensch einen individuellen Körpergeruch habe, so die Forscher. Wie die verschiedenen Mischungen zustande kommen, können sie allerdings noch nicht sagen. Ihre Vermutung: Der Duftcocktail könnte von der Art der Mikroorganismen abhängen, die in der Achselhöhle leben. Deren genaue Zusammensetzung wird möglicherweise wiederum von genetischen Faktoren geprägt, die einzigartig für jeden Menschen sind, wie etwa die für das Immunsystem wichtigen MHC-Proteine. In Zukunft wollen die Forscher nun untersuchen, ob und wie andere Menschen die persönliche Duftnote wahrnehmen. Ihre Ergebnisse könnten außerdem unter anderem helfen, Diagnosemethoden für Krankheiten zu entwickeln, die den individuellen Geruch verändern.

Dustin Penn (Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung in Wien) et al.: Journal of the Royal Society Interface, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsif.2006.0182 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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